Frankfurt/Main (dpa). Die Öl- und Benzinpreise kennen zurzeit nur eine Richtung: nach oben. Allen voran bereiten die bürgerkriegsähnlichen Zustände im ölreichen Wüstenstaat des umstrittenen Machthabers Muammar al-Gaddafi Händlern und Experten Kopfzerbrechen. Wie sich die Ölpreise entwickeln, dürfte vor allem von der weiteren Entwicklung in Libyen und anderen Ölschwergewichten abhängen.

In Deutschland kostete Superbenzin gestern in vielen Regionen bereits 1,53 Euro, Diesel kam auf 1,43 Euro pro Liter, jeweils drei Cent mehr als am Vortag. Im Januar war der Liter Superbenzin nach Angaben eines ADAC-Sprechers bereits auf über 1,51 Euro gestiegen. Dies war damals der höchste Stand seit Sommer 2008, als der Spritpreis mit 1,58 Euro ein Allzeithoch erreicht hatte.

Internationale Öl- und Gaskonzerne hatten wegen der Unruhen ihre Förderung in Libyen zumindest zeitweise eingestellt und Mitarbeiter aus dem Krisenland abgezogen, darunter auch die Öl- und Gastochter des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF Wintershall. Ein Sprecher bestätigte, "dass die Öl- und Gasproduktion in Libyen aus Sicherheitsgründen vorübergehend eingestellt wurde".

Seit den ersten Unruhen in der arabischen Welt in Tunesien und Ägypten hat sich Öl in Europa um mehr als zehn Prozent verteuert. Verschärft wurde die Lage zuletzt durch die blutigen Proteste in Libyen. Derzeit kostet ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund 110 Dollar. Mitte Januar lag der Preis noch bei 95 Dollar, Mitte 2010 gar bei 75 Dollar. US-Rohöl der Marke WTI war zuletzt weniger vom Preisanstieg betroffen, hat aber ebenfalls stark auf knapp 98 Dollar zugelegt. Damit kostet Rohöl derzeit so viel wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren.

Hohe Ölpreise beeinflussen aber nicht nur die allgemeine Teuerung und belasten so die Geldbörse der Verbraucher. In hochentwickelten Volkswirtschaften wie Deutschland stellen hohe Öl- und Rohstoffpreise auch eine Belastung für die Unternehmen dar und können damit das Wirtschaftswachstum dämpfen. Gleichwohl sehen Ökonomen derzeit noch keine allzu große Belastung für die auf Hochtouren laufende Konjunktur Deutschlands.

Die Postbank etwa beziffert den dämpfenden Effekt der hohen Rohstoffpreise auf rund 0,2 Prozentpunkte des Wachstums. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war Deutschland um starke 3,6 Prozent gewachsen.

Entscheidend für die weitere Entwicklung der Ölpreise dürften vor allem politische Faktoren sein. Als schlimmstes Szenario gilt an den Märkten eine Ausweitung der libyschen Unruhen auf weitere Ölschwergewichte wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Kuwait.