Magdeburg (dpa). Es sind umstrittene Jobs: Die einen sehen Leiharbeit als Mittel zur Lohndrückerei, die anderen als Weg zu mehr Jobs. DGB und Wirtschaftsministerium argumentieren mit unterschiedlichen Zahlen. In keinem anderen Bundesland hat die Leiharbeit nach Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bei der Schaffung neuer Jobs zuletzt eine so große Rolle gespielt wie in Sachsen-Anhalt. Von Oktober 2009 bis Oktober 2010 seien fast zwei von drei neuen Arbeitsplätzen mit Sozialversicherungspflicht (62,8 Prozent) von Leiharbeitsfirmen geschaffen worden, berichtet das DGB-Landesbüro Sachsen-Anhalt unter Berufung auf eine Studie der DGB-Abteilung Arbeitsmarktpolitik. Der Bundesdurchschnitt liegt nur bei 37,7 Prozent.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) wies die DGB-Kritik zurück – der Anteil der Leiharbeit an allen Jobs in sei relativ gering. "Entscheidend bei den vom DGB vorgelegten Zahlen zur Leiharbeit ist die Bezugsgröße", sagte Haseloff, der zur Landtagswahl am 20. März als CDU-Spitzenkandidat antritt.

So betrage der Anteil der Zeitarbeiter an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen-Anhalt derzeit lediglich 3,4 Prozent. "Damit liegen wir knapp über Sachsen (3,3 Prozent) und deutlich unter Thüringen (4 Prozent)." Den hohen Anteil bei Neueinstellungen begründete er mit der Vorsicht der Unternehmen in der Nachkrisenzeit. "Die derzeit gute wirtschaftliche Lage wird aber dafür sorgen, dass diese Leih- arbeit zum Eingangstor in reguläre Beschäftigung wird", sagte Haseloff.

Auch der Verband der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalt (VME) widersprach dem DGB. VME-Hauptgeschäftsführer Matthias Menger sagte, die Zeitarbeitsfirmen böten schlecht qualifizierten Menschen einen Einstieg in den Job. Die Metallindustrie habe zudem auch die Stammbelegschaften ausgebaut.

Laut DGB-Sprecher Bernhard Becker liegen die Bruttolöhne von Leiharbeitern rund 40 Prozent unter dem Niveau vergleichbarer Beschäftigung. Das Entlassungsrisiko sei höher. Nach Angaben der IG Metall haben sich gestern 18 000 Beschäftigte aus 120 Betrieben in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an einem Aktionstag gegen prekäre Arbeitsplätze – gegen die dramatische Zunahme der Leiharbeit und befristeter Jobs – beteiligt. Beschäftigte der Ilsenburger Grobblech, der Radsatzfabrik Ilsenburg von ThyssenKrupp Presta führten einen Autokorso durch.