Düsseldorf (dpa). Im Konflikt mit dem Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg geht der ehemalige Vorstandschef Thomas Middelhoff zum Gegenangriff über. Sein Anwalt habe Görg jetzt wegen Prozessbetruges angezeigt, ließ Middelhoff gestern mitteilen. Man werde nun "konsequent gegen die seit zwei Jahren betriebene Rufschädigung angehen". Die Staatsanwaltschaft Bochum konnte den Eingang der Anzeige auf Anfrage zunächst nicht bestätigen. Hintergrund ist eine 175-Millionen-Euro-Schadenersatzklage von Görg gegen Middelhoff im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften von Arcandor.

"Heute wissen diejenigen, die mit der Aktenlage vertraut sind, dass das Ganze haltlos ist", so die Darstellung von Middelhoffs Anwalt Sven Thomas. "Im Unterschied zum Insolvenzverwalter Görg: Der wusste es bereits vor Abgabe seiner widersinnigen Klage." Eine Strafanzeige sei daher "unumgänglich".

Im April beginnt am Landgericht Essen der Zivilprozess, um den es geht. Der Insolvenzverwalter hat den Ex-Arcandor-Chef und weitere Topmanager auf Schadenersatz von rund 175 Millionen Euro verklagt. Auslöser ist der Verkauf mehrerer Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds. Die Immobilien waren anschließend nach Einschätzung von Görg überteuert zurückgemietet worden. Vor einer Woche war noch eine weitere Forderung gegen Middelhoff und andere Ex-Manager des 2009 zusammengebrochenen Konzerns bekannt geworden. Der Middelhoff- Anwalt kritisierte, der Insolvenzverwalter befürchte vermutlich, dass die 175-Millionen-Klage "am Ende ein Rohrkrepierer wird, weshalb er nun noch eine zweite Klage hinterherschob".

Der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, verteidigte Görgs Vorgehen. Demnach "hat der Insolvenzverwalter nach der Insolvenzordnung auch möglichen Ansprüchen gegen frühere Akteure nachzugehen. Würde er dies unterlassen, würde er persönlich haften."

Der "Spiegel" berichtet, dass die Staatsananwaltschaft Bochum gegen Midelhoff im Zusammenhang mit einer von Arcandor bezahlten Festschrift ermittelt. "Dieser Vorwurf ist uns bekannt und Gegenstand unserer Prüfung", sagte ein Sprecher der Anklagebehörde. Die Arcandor AG soll rund 150 000 Euro netto für eine von Middelhoff herausgegebene Festschrift zum 70. Geburtstag des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Mark Wössner ausgegeben haben. Es habe sich um ein rein privates Geburtstagsgeschenk ohne Bezug zu Arcandor gehandelt, hieß es.

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