Im Mai will der AMU Verband selbständiger Frauen in Sachsen-Anhalt den Unternehmerinnenpreis 2011 vergeben. Bis zum 4. März können erfolgreiche Geschäftsfrauen ihre Bewerbungen einreichen. Wir stellen einige bisherige Preisträgerinnen vor. Heute: Rosemarie Appel, Geschäftsführende Gesellschafterin der BördeKäse GmbH Vahldorf – die Siegerin 2010.

Von Bettina Koch

Vahldorf. Sie ist keine Abenteurerin, dennoch musste Rosemarie Appel zusammen mit Hans-Peter Dietrich als Doppelspitze eines mittelständischen Käsebetriebes etliche Abenteuer bestehen. Vor 130 Jahren war der Familienbetrieb, aus dem die heute 63-Jährige kam, gegründet worden. 1972 wurde er enteignet. Die junge Frau wurde Direktorin, verließ den Betrieb aber bald und kehrte nach der Wende zurück.

1992 ging sie mit BördeKäse als reprivatisiertes Unternehmen neu an den Start. Ohne Aufträge und mit viel zu vielen Leuten. Schlosser, Heizer, Maurer, Elektriker und andere mussten entlassen werden. Von 120 runter auf 11. "Es war schlimm, aber es ging nicht anders", so Appel. Ihren Käse haben Appel und Dietrich selbst auf Märkte und zu Supermärkten gefahren. "Wir waren Tag und Nacht unterwegs, um Aufträge ranzukriegen."

Das müssen sie heute nicht mehr. Der Betrieb mit nun 30 Mitarbeitern hat im vergangenen Jahr 950 000 Tonnen Käse ab- und 4,8 Millionen Euro umgesetzt. 15 Prozent der Produktion gingen in den Export, vorwiegend nach Großbritannien. Die Briten bekommen 30 Tonnen Käse pro Monat. Kleinere Mengen gehen nach Japan, Vietnam, Korea und Dubai.

Sorgenfrei ist Rosemarie Appel trotzdem nicht. Es ärgert sie, dass BördeKäse zwar im Vereinigten Königreich als bester Räucherkäse ausgezeichnet wurde und als "Made in Germany" wahrgenommen wird, bei deutschen Handelsketten aber immer noch als "Ostprodukt" gilt. In Listungen reinzukommen, sei ein ständiger Kampf, sagt sie.

Abenteuerlich seien auch die Preisentwicklungen, sagt Appel. Während der Käsebetrieb beim Rohstoffbezug von den Molkereien, bei Verpackungen und Transporten steigende Preise voll zu spüren bekommt, können die höheren Kosten kaum an den Handel weitergegeben werden – im Gegenteil, er fordere noch Rabatte und wolle Rechnungen immer später bezahlen. "Der einzige Ausweg ist der Export", so Appel.

In den vergangenen beiden Jahren haben die Vahldorfer gut eine Million Euro in neue Technik und zusätzliche Räucherkammern investiert. Mit geräuchertem schnittfestem Mozzarella für die Käsetheken bringen sie wieder ein neues Produkt auf den Markt.

Wachstum mit Bedacht und ständiger Kontrolle von Kosten und Rendite lautet die Devise für Appel. Das Abenteuer Unternehmerin geht weiter.