München (dpa). Der Vorstand der BayernLB wird nach Angaben aus Bankkreisen finanzielle Entschädigung vom früheren Chef des Verwaltungsrats, Siegfried Naser, und seinem Stellvertreter Kurt Faltlhauser verlangen. Bei einer Sitzung unter Führung des Vorstandsvorsitzenden Gerd Häusler habe das Gremium über zivilrechtliche Ansprüche gegen Faltlhauser und Naser beraten, hieß es in Bankkreisen.

Dabei soll der Vorstand zur Auffassung gekommen sein, dass der frühere bayerische Sparkassenpräsident Naser und Ex-Finanzminister Faltlhauser (CSU) sich am Ende der Verhandlungen über den Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria (HGAA) im Jahr 2007 grob fahrlässig verhalten hätten – im Gegensatz zu den einfachen Verwaltungsräten wie dem früheren Innenminister Günther Beckstein und anderen, denen der Vorstand Ende 2010 einfache Fahrlässigkeit unterstellt hatte. Die Unterscheidung ist im Fall der BayernLB von großer Bedeutung, weil laut Satzung nur grobe Fahrlässigkeit eine Grundlage für Zivilklagen sein kann.

Bei der Entscheidung des BayernLB-Vorstands geht es aber dem Vernehmen nach zunächst nicht um eine Klage – unter anderem, weil die Erfolgschancen eines Prozesses sehr fraglich wären. Stattdessen will der Vorstand die beiden früheren Chefs des Verwaltungsrats wohl persönlich in Regress nehmen – so wie auch der Siemens-Konzern nach der Korruptionsaffäre Geld von seinem früheren Vorstandschef Heinrich von Pierer verlangt hatte. Der BayernLB-Vorstand fasste bei seiner Sitzung aber noch keinen Entschluss. Das soll im Laufe dieses Monats geschehen, wie es in Bankkreisen weiter hieß.

Bei den Vorwürfen gegen Faltlhauser und Naser, die sich über Jahre an der Spitze des BayernLB-Verwaltungsrats abwechselten, geht es unter anderem um eine Formalie: Die Spitze des Verwaltungsrats berief vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags keine Sitzung mehr ein, um den Vertrag zu überprüfen. In den zweieinhalb Jahren nach dem Kauf der Hypo ALpe Adria hatte die BayernLB insgesamt 3,7 Milliarden Euro Verluste eingefahren – allerdings ist strittig, wie viel davon direkt auf den Kauf der Hypo Alpe Adria zurückgeführt werden kann.