Umweltminister Röttgen gerät wegen des Debakels um den Biosprit E10 unter Beschuss. FDP-Politiker fordern den vorläufigen Stopp für E10. Die Erwartungen an den "Benzin-Gipfel" sind hoch, aber eine Abkehr von dem Ladenhüter ist mit Röttgen bisher nicht zu machen.

Berlin (dpa). Trotz Käuferstreiks und Forderungen nach einem Aus für den Biosprit E10 hält Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) an dem ungeliebten Kraftstoff fest. Der für heute anberaumte "Benzin-Gipfel" diene dazu, das Vertrauen der Verbraucher in die Einführung von E10 zu stärken, sagte gestern Röttgens Sprecherin in Berlin. Jetzt schon von Rücknahme oder Scheitern zu sprechen, sei verfrüht. Ein Verkaufsstopp komme nicht infrage, betonte sie. Aus der FDP kommt dagegen die Forderung, die weitere Einführung des Ladenhüters E10 erst einmal zu stoppen.

Aus Angst um ihre Motoren weigern sich Millionen Autofahrer weiterhin, den neuen Sprit zu tanken. Sie erwarten von der Bundesregierung beim "Benzin-Gipfel" eine Lösung. "Wir werden der Verunsicherung bei den Verbrauchern sicher nicht dadurch beikommen, indem wir einfach das Kommando "weiter so" ausgeben", sagte FDP-Fraktionsvize Patrick Döring. Er forderte einen Stopp von E10. Auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner verlangte, den Verkauf auszusetzen.

Dem Vernehmen nach ist von dem Spitzentreffen aber wohl nur ein Appell für eine bessere Information der Verbraucher zu erwarten. Röttgen wird heute aus einem Skiurlaub zurückerwartet. Er wird neben Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), Verbraucherministerin Ilse Aigner und Verkehrsminister Peter Ramsauer (beide CSU) die Regierung bei dem Spitzentreffen mit Auto- und Benzinbranche vertreten.

Derzeit gibt es bei Super-Plus-Benzin mit fünf Prozent Ethanol Engpässe, weil die verunsicherten Verbraucher statt E10 diesen acht Cent teureren Sprit tanken. Die Branche hatte mit einem E10-Anteil am Super- Benzin von 90 Prozent gerechnet. An den rund 7000 Tankstellen, wo es den Sprit bisher gibt, liegt er aber meist unter 50 Prozent.

Der Chef des Mineralölwirtschaftsverbands, Klaus Picard, forderte den Verzicht auf Strafzahlungen, sollte der geforderte Bio-Anteil in Benzin und Diesel nicht erreicht werden. "Niemand darf dafür bestraft werden, dass Autos kein E10 vertragen und deshalb die Bio-Quote einfach nicht erfüllt werden kann", sagte er.

Der ADAC kritisierte, die Mineralölwirtschaft habe kaum oder keinen gleichwertigen Alternativkraftstoff für Autofahrer bereitgehalten. "Das heißt, der Verbraucher konnte, wenn er verunsichert war, eigentlich nur auf Super Plus umsteigen", sagte der Leiter des ADAC-Technikzentrums, Reinhard Kolke. Er forderte, das Kraftfahrt-Bundesamt solle jeden Autofahrer schriftlich und verbindlich informieren, ob sein Auto mit E10 betankt werden kann.