Berlin (dpa). Die Lokführergewerkschaft GDL nimmt bei der für diese Woche angekündigten Ausweitung ihrer Streiks vor allem die Frachttransporte auf der Schiene ins Visier. Der Arbeitskampf werde so gestaltet, "dass der Güterverkehr der Deutschen Bahn im Fokus steht", sagte gestern GDL-Vize Sven Grünwoldt. Allerdings müssen auch Reisende erneut mit Störungen rechnen, da Personenzüge des bundeseigenen Konzerns und sechs großer Konkurrenzunternehmen ebenfalls "etwas zurückhaltender" einbezogen würden. Über Termine und Orte der Aktionen will die GDL mit zwölf Stunden Vorlauf informieren. Die Deutsche Bahn rief die Gewerkschaft erneut zu Verhandlungen auf.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die weiter schwelende Streikgefahr, nachdem Hunderttausende Reisende bereits bei drei Warnstreikwellen Ausfälle und Verspätungen hinnehmen mussten. "Wenn jetzt nach Winter- und Sommerproblemen auch noch Streiks ständig dazukommen, dann ist die Zuverlässigkeit, die Verlässlichkeit der Bahn nicht mehr gegeben", sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Arbeitsniederlegungen im Güterverkehr könnten weitere Kreise ziehen. "Wenn man gar nicht erst losfährt an den Startpunkten der Rangierbahnhöfe, dann gibt es kaum Auswirkungen. Wenn man aber die Güterzüge irgendwo auf der Strecke stehen lässt, dann ist natürlich auch der Personenverkehr betroffen."

Bereits 2007 hatte die GDL im Zuge des Tarifkampfes um einen eigenen Tarifvertrag bei der Deutschen Bahn auch Frachttransporte bestreikt. Bei einem 42-Stunden-Ausstand im November war der Güterverkehr in Ostdeutschland fast komplett zum Erliegen gekommen, in Westdeutschland fuhr nur noch jeder dritte Güterzug. Zu größeren Produktionsausfällen in der Industrie kam es allerdings nicht.

GDL-Vize Grünwoldt betonte, es gehe der Gewerkschaft nicht um völlig unbefristete Arbeitsniederlegungen. Auch die nun vorgesehenen Aktionen "werden befristet sein, sie werden allerdings ausgebaut werden." Die drei bisherigen Warnstreiks hatten zwei bis drei Stunden gedauert. In einer Urabstimmung hatten mehr als 90 Prozent der GDL-Mitglieder den Weg für unbefristete Streiks frei gemacht. Grünwoldt betonte, die Streikkasse sei gut gefüllt. "Wir können einen Streik sehr, sehr lange aushalten."

Die GDL will einheitliche Bedingungen für rund 26 000 Lokführer bei der Deutschen Bahn und den sechs großen Konkurrenten Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn durchsetzen. Eine Kernforderung sind Einkommen auf dem Niveau der Deutschen Bahn auch bei den anderen Bahnen, bei denen teils deutlich schlechtere Konditionen gelten. Die Deutsche Bahn bereitet sich auf mögliche Streiks vor, wie ein Sprecher sagte. "Wir setzen aber weiter darauf, dass verhandelt wird, statt zu streiken."