Frankfurt/Main (dpa). Die Atomkatastrophe in Japan hat die Börsen weltweit abstürzen lassen. In Tokio versuchten Anleger in Panik scharenweise ihre Aktien loszuwerden – die Verkäufe lösten die größten Kursverluste seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor zweieinhalb Jahren aus. Zeitweilig verlor der Leitindex mehr als 14 Prozent. In Deutschland stürzte der Aktienmarkt auf den tiefsten Stand seit Oktober 2010, in der Spitze verlor der DAX mehr als 5 Prozent.

Auch die Devisen- und Rentenmärkte wurden voll von den fast stündlich neuen Hiobsbotschaften aus Japan erfasst. Die allgemeine Nervosität führte zu hohen Zuflüssen in deutsche und US-amerikanische Staatsanleihen. Auch am Devisenmarkt setzte eine Bewegung in "sichere Häfen" wie den US-Dollar und den Schweizer Franken ein.

Der Euro wurde umgekehrt belastet. Der Yen hält sich gleichwohl auf hohem Niveau. Experten sehen aber mittelfristig deutliche Risiken für einen Fall der japanischen Währung.

"Die Katastrophe historischen Ausmaßes in Japan lässt das Tagesgeschäft verblassen", kommentierte die HSH Nordbank. Als sicher geltende Anlagen wie deutsche Staatsanleihen profitierten im Gegenzug stark: Der richtungsweisende Euro-Bund-Future (standardisierter Terminkontrakt auf eine langfristige Schuldverschreibung des Bundes) stieg im frühen Handel auf mehr als 123 Punkte.

Am Devisenmarkt zeigte sich ein ähnliches Bild: Der Dollar als weltweite Reservewährung legte zu vielen Währungen spürbar zu, während der Euro zum Dollar zeitweise um über einen Cent nachgab. Auch der Schweizer Franken wurde an den Märkten verstärkt gesucht. Der Yen wurde durch die drohende Atom-Katastrophe indes kaum in Mitleidenschaft gezogen. Experten erklären dies damit, dass viele private wie institutionelle Investoren wegen der großen Schäden in Japan ausländische Forderungen zurückrufen dürften, was den Yen stützt.

Mittelfristig sehen Experten allerdings deutliche Abwärtsrisiken für den Yen, nicht nur wegen der unkalkulierbaren Folgen eines Super-GAUs. So verweist die Commerzbank auf die Geldpolitik der japanischen Notenbank, die ihre geldpolitischen Zügel wegen der Katastrophe immer weiter lockert. Mittelfristig dürfte dies die Teuerung anheizen und damit den Yen belasten. Darüber hinaus wird sich die Schuldensituation Japans wegen der Krisenbekämpfung wohl weiter verschlechtern. Japan zählt mit einem Schuldenstand von über 200 Prozent der Wirtschaftsleistung bereits jetzt zu den höchst verschuldeten Ländern der Welt. Die japanische Notenbank hatte gestern ihre Finanzspritzen abermals aufgestockt, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo nannte als Sofortmaßnahme der Notenbank eine Zahl von acht Billionen Yen (rund 70 Milliarden Euro). Am Vortag hatte die Summe bei 15 Billionen Yen (rund 130 Milliarden Euro) gelegen.

Nach Ansicht des Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, ist es noch unbestimmt, welche Auswirkungen die Katastrophe in Japan auf die deutsche Wirtschaft haben wird. "Das kann in die eine und kann in die andere Richtung gehen", sagte er. Blum schloss aber nicht aus, dass Deutschland mit dem Wiederaufbau in Japan eine weitere Sonderkonjunktur bekommen kann, wenn das Land gezwungen sein sollte, in großen Mengen neue Anlagen kaufen zu müssen.