Frankfurt/Main (dpa). Japanische Chiphersteller haben ihre Produktion während des Erdbebens im ganzen Land heruntergefahren. Bei den geringsten Erderschütterungen werden die Maschinen sofort und automatisch angehalten und die gesamte Produktion gestoppt, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Eine Wiederaufnahme der Fertigung in Japan stehe nicht auf der Agenda. Die Fabriken müssten erst auf Schäden untersucht werden, denn für die Herstellung von Chips sind Fabrikhallen notwendig, die quasi staubfrei sein müssen. Untersuchungen dieser Art können Wochen und Monate dauern.

Nach Einschätzung von Branchenanalysten und Industrievertretern führen die Folgen des Bebens zu Lieferengpässen und Preiserhöhungen für Komponenten elektronischer Geräte wie Computer oder Mobiltelefone. "Das Beben wird in den nächsten Quartalen wohl ziemlich große Folgen für diese Industrie haben", zitiert die Zeitung Len Jelinek, Marktbeobachter vom Analystenhaus IHS iSupply.

Japanische Chiphersteller zählen zu den wichtigsten Herstellern und Lieferanten. Sie machen ein Fünftel des Branchenumsatzes von insgesamt 300 Milliarden Dollar auf der Welt aus. Auch Telekomausrüster sind auf Lieferungen aus Japan angewiesen.

Das schwedische Unternehmen Ericsson sieht im ersten Quartal keine Auswirkungen des Erdbebens in Japan auf sein Geschäft. Effekte auf die Versorgung mit Chips und Komponenten würden jedoch nicht ausbleiben. Noch sei es zu früh, deren Ausmaße abzuschätzen.

Deutschland importierte nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom aus Japan im Jahr 2010 Hightech-Produkte im Wert von 1,8 Milliarden Euro. Davon entfallen 730 Millionen Euro auf Unterhaltungselektronik (etwa Fernseher oder Digitalkameras), 670 Millionen Euro auf IT-Produkte (Computer, Drucker etc.) und 430 Millionen Euro auf Kommunikationstechnik. Das entspricht vier Prozent aller Einfuhren in diesen Marktsegmenten. Deutschland lieferte umgekehrt im Jahr 2010 ITK-Waren im Wert von 167 Millionen Euro nach Japan.

Die Erdbebenkatastrophe und die Nuklearunfälle in Japan führen nach Einschätzung des Bitkom vorerst nicht zu Lieferengpässen bei Hightech-Geräten in Deutschland.