Der im nördlichen Sachsen-Anhalt operierende Energieversorger E.ON Avacon wird in den kommenden Jahren massiv in neue Stromtrassen und Umspannstationen investieren. Hintergrund ist vor allem der stetig wachsende Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion, sagte E.ON-Avacon-Vorstand Matthias Herzog der Volksstimme. So müsse vor allem der in der Altmark über den regionalen Bedarf hinaus erzeugte Windstrom in den Süden und Westen Deutschlands abtransportiert werden.

Magdeburg/Helmstedt. Der Energieversorger E.ON Avacon (Helmstedt) sieht sich im nördlichen Sachsen-Anhalt vor großen Herausforderungen. Um die wachsende Strommenge aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen unter der Prämisse der Netzstabilität und der Versorgungssicherheit der Region beherrschen zu können, will das Unternehmen auch künftig pro Jahr 25 bis 30 Prozent des jährlichen Gesamtinvestitionsvolumens von rund 100 Millionen Euro für den Anschluss von regenerativen Erzeugungsanlagen an das Stromnetz ausgeben, sagte Vorstandsmitglied Matthias Herzog der Volksstimme. "Wir stellen neben das klassische, der normalen Versorgung dienende Stromnetz, ein zweites Netz", erläuterte er. Dieses "Öko-Netz" diene allein dazu, im nördlichen Sachsen-Anhalt regenerativ erzeugten und dort nicht verbrauchten Strom in die im Süden und Westen Deutschlands gelegenen industriellen Ballungsräume wie das Ruhrgebiet weiterzuleiten.

Herzog zufolge sind derzeit im E.ON-Avacon-Netz zwischen Altmark und Magdeburg dezentrale Einspeiser wie Windkraft- und Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 2000 Megawatt (MW) in Betrieb. "Das sind zwei Großkraftwerke, die etwa zwei Millionen Haushalte mit Strom versorgen könnten", verdeutlichte er die Dimension. Würden in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt täglich 500 MW Strom verbraucht, stünde dem eingespeiste Windenergie von einer im Schnitt dreifachen Menge gegenüber. Um dieses Volumen, speziell jenes aus den Windparks der Altmark, noch händeln zu können, hatte E.ON Avacon gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber "50 Hertz Transmission" erst kürzlich für 60 Millionen Euro bei Stendal ein "Windsammelumspannwerk" gebaut, dessen einziger Zweck es ist, in der Region dezentral erzeugte Energie abzutransportieren.

Bei diesem Investment werde es aber nicht bleiben, sagte Herzog. Zwar habe man mit dem Umspannwerk einen Puffer geschaffen. Weil aber auch in die Jahre gekommene Windkraftanlagen zunehmend erneuert und deren Leistungsvermögen stetig erhöht würde, müssten die Hochspannungsleitungen und Umspannwerke perspektivisch insbesondere südlich der Autobahn A2 nachgebaut werden. "Konkret planen wir mit ,50Hertz Transmission‘, in den Jahren 2013/2014 das Umspannwerk Förderstedt in einem ähnlichen Umfang wie Stendal auszubauen", kündigte Herzog an. Parallel dazu müssten weitere neue Stromtrassen gebaut werden.

Investitionsbedarf sieht E.ON Avacon auch im Niederspannungsnetz. Hier habe man die Situation, dass etwa Strom aus Solarstromanlagen auf Hausdächern direkt in die Ortsnetze eingespeist werde. "Weil Solaranlagen im Gegensatz zu Windparks bei einer Überproduktion nicht einfach vom Netz genommen werden können, kann es passieren, dass die normale Spannung an der häuslichen Steckdose von 230 Volt und dem Toleranzbereich von plus minus zehn Prozent nicht immer gehalten werden und eine Überspannung entstehen kann", sagte Herzog.

Sein Unternehmen stehe nun vor der Aufgabe, intelligente Methoden der Netzsteuerung im Ortsbereich zu entwickeln, um die Spannungssicherheit auch künftig gewährleisten zu können.