Gödöllö (dpa). Die Verbraucher in Deutschland müssen sich wegen steigender Energie- und Rohstoffpreise in diesem Jahr auf weiter steigende Inflationsraten einstellen. Sie könnten nach Prognose von Bundesbankpräsident Axel Weber zum Jahresende sogar fast drei Prozent erreichen.

Weber sprach am Wochenende im ungarischen Gödöllö nach Beratungen der EU-Finanzminister von einer "deutlichen Eintrübung der Preisperspektiven". Für den gesamten Euroraum gingen die Währungshüter daher im Jahresdurchschnitt von einer Teuerungsrate deutlich über der EZB-Warnschwelle von 2 Prozent aus. "Ich würde sogar so weit gehen, dass sich das Richtung 2,5 Prozent im Durchschnitt des Jahres bewegen könnte."

Ausdrücklich noch schlechter sieht der Ende April ausscheidende Bundesbankpräsident die Perspektiven für Deutschland. Dort rechne er vor allem in der zweiten Jahreshälfte mit Preissteigerungsraten, "die sogar an 3 Prozent herankommen könnten". Weber wies in diesem Zusammenhang auch auf die tarifpolitische Landschaft mit aktuellen "Abschlüssen um die 3 Prozent" hin.

Als Klassenprimus erweist sich dagegen die deutsche Wirtschaft in Sachen Konjunktur. Nach Webers Einschätzung dürfte die größte Ökonomie Europas den schweren Einbruch des Rezessionsjahres 2009 deutlich schneller verdaut haben als die meisten europäischen Partner. Weber sprach von einem "moderaten aber heterogenen" Aufschwung im Euroland.

Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone mit seinen 17 Mitgliedsländern werde "etwa erst zum Ende des Jahres 2012" wieder auf dem Vorkrisenniveau sein, sagte Weber. "Wir dürften das in Deutschland schon Ende dieses Jahres erreichen", sagte er.