Das Geld, das in den 90er-Jahren für die Verschrottung der Tagebaugroßgeräte bei Gräfenhainichen (Kreis Wittenberg) bestimmt war, wurde in deren Sanierung gesteckt. Seither hat sich Ferropolis, die "Stadt aus Eisen" einen Namen als Sehenswürdigkeit der Industriekultur und als Open-Air-Standort gemacht. Mit dem weiteren Ausbau der Infrastruktur soll die Halbinsel zudem ein Ort der erneuerbaren Energien werden.

Ferropolis. Rund 700 000 Euro spült ein Festival-Wochenende in die Kassen der regionalen Hotels, Pensionen, Gaststätten, Dienstleister und Tankstellen. Wie Ferropolis-Geschäftsführer Thies Schröder berichtete, sind die wirtchaftlichen Effekte eines MELT! Festivals, bei dem sich drei Tage lang 25 000 Gäste aus ganz Europa auf der Halbinsel tummeln, im Rahmen einer Doktorarbeit untersucht worden. Auf den Juli werden sich die entsprechenden Anbieter schon einstellen und freuen: Dann gibt es wieder Musik und jede Menge zahlungskräftige Gäste beim Splash! Festival (8. bis 10. Juli) und beim MELT! Festival (15. bis 17. Juli). Zuvor werden die Fans von Peter Maffay (27. Mai) das Gelände zwischen Baggern und Fördergeräten füllen.

Regionale wirtschaftliche Effekte spüren die Gewerbetreibenden auch dank der Reisegruppen und Individualtouristen, die neben Bauhaus und Dessau-Wörlitzer Gartenreich auch Ferropolis als Sehenswürdigkeit auf dem Tourenplan haben. Ferropolis ist an die Erlebnisroute "Kohle-Dampf-Licht" angebunden. Zudem werden in der ehemaligen Schaltzentrale Bünde fürs Leben geschlossen – dort geben sich Liebende, die dem Bergbau verbunden sind oder sich auf einem Konzert oder Festival in Ferropolis kennengelernt haben, gern das Ja-Wort.

Mit Hilfe von Fördermitteln (3,9 Millionen Euro von Bund und Land aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur) wird die Festival-Infrastruktur weiter ausgebaut. Auf 4,3 Millionen Euro belaufen sich die Gesamtkosten. Produktionsabläufe, die Strukturen auf dem Gelände und die Sicherheit (zum Beispiel durch neue Rettungswege) sollen optimiert werden, erklärte Schröder. "Der Backstage-Bereich muss auf diesem Freigelände genauso funktionieren wie in einer großen Halle mitten in der Stadt." Um die An- und Abreise der Besucher bei Großveranstaltungen zu entkrampfen, ist die Einbahnan- und -abreise nach dem Vorbild des Messeschnellwegs Hannover (nur kleiner) beabsichtigt.

Daneben will sich das Unternehmen Ferropolis den erneuerbaren Energien zuwenden. In Kooperation mit Q-Cells sollen die Dächer der großen Hallen mit Solaranlagen bestückt werden. Und mit Fördermitteln aus dem Leader-Programm soll ein Energie-Exploratorium entstehen. 60 000 Euro Fördermittel soll es dafür geben. 160 000 Euro sind insgesamt eingeplant.

Grundlage ist die Diplomarbeit einer Absolventin der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Die Diplomandin wollte Energie erlebbar machen – mit Windmaschine, Windrad, Sonnenreflektor und Materialien, die Wärme unterschiedlich absorbieren. Besucher sollen selbst Hand anlegen und die Energien fühlen können.

"Ferropolis ist die Folge von Diplomarbeiten", sagte Schröder, in diesem Areal steckten viele kreative Ideen von Studenten verschiedener Hochschulen. Ein halbes Jahrhundert Industriegeschichte werde auf bewusst reduzierte Art gezeigt. "Wir sind kein Disneyland des Bergbaus." Mit dem Schülerlabor FerroLab und dem Exploratium werde neben den Symbolen des fossilen Zeitalters auf das postfossile vorbereitet, so Schröder.

"Ferropolis ist im vergangenen Jahrzehnt schrittweise gewachsen und strahlt heute weit über die Region hinaus", betonte Marion Winkler, Fachdienstleiterin Raumordnung/Regionalentwicklung im Landkreis Wittenberg. Von den Akteuren seien zu diesem Zweck verschiedene Fördermöglichkeiten klug miteinander verzahnt worden. Neben Gemeinschaftsaufgabe und dem Leader-Programm für den ländlichen Raum verwies sie auf das Konjunkturpaket, die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) und Interreg.