Filderstadt/Stuttgart (dpa). Preisschock an der Zapfsäule: 9,99 Euro kostete ein Liter Superbenzin gestern an einer Esso-Tankstelle in Filderstadt (Baden-Württemberg). Da Super nur noch in geringer Menge vorrätig war, sollten die Kunden dadurch vom Tanken des Kraftstoffes abgehalten werden, wie die Polizei berichtete.

Trotzdem tankten zwei Kunden und fielen an der Kasse aus allen Wolken. So wunderte sich eine Frau aus Filderstadt als sie für 20 Liter Superkraftstoff rund 200 Euro bezahlen musste. Ein anderer Kunde tankte 10 Liter und sollte knapp 100 Euro hinblättern. Beide weigerten sich zunächst, zu bezahlen und riefen die Polizei.

Der Mitarbeiter der Tankstelle war sich laut Polizei keiner Schuld bewusst. "Die Preise werden von der Zentrale eingestellt", sagte ein Polizeisprecher. Die Kunden bezahlten ihren Einkauf und hoffen heute auf eine gütliche Einigung mit der Geschäftsleitung. An der Tankstelle wollte sich gestern niemand zu dem nächtlichen Vorfall äußern.

Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Club Europa, sagte, das erinnere an den Schwarzmarkt. "Dass Weltkonzerne in einen Versorgungsengpass hineinstolpern, wie Betrunkene in einen Dorfteich, ist kaum zu glauben. Dem Grunde nach müsste jetzt die Gewerbeaufsicht von Amtswegen Ermittlungen aufnehmen. Das gilt auch für falsche Preisangaben und Wucherpreise an den Zapfsäulen".

Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Tankstellen in und um Stuttgart gaben zwei von zehn an, keinen Superkraftstoff mehr zu haben, bei fünf war noch genügend Benzin vorhanden. Drei Tankstellenbetreiber wollten keine Auskunft zu den Versorgungsengpässen bei Super, Superplus und Biosprit E10 erteilen. Bundesweit ist das befürchtete Benzin-Chaos an den Tankstellen zu Ostern ausgeblieben. Shell-Sprecherin Cornelia Wolber sagte gestern, Leerstände gebe es nur punktuell. "Die Lage ist bei weitem nicht so kritisch wie befürchtet." Neben Osterreiseverkehr und Fahrverbot für Tanklastwagen an Feiertagen gibt es auch logistische Probleme wegen der E10-Einführung. Laut Wolber führte das in den vergangenen sechs Wochen schon öfter zu vorübergehenden Engpässen.