Bremerhaven (dpa). Auf der Weser vor Bremerhaven wird es am kommenden Sonnabend voll. Rund 350 Sportboote sollen dann Kurs auf die Häfen im Norden der Stadt nehmen. Mit der rund sechs Kilometer langen schwimmenden Kette will die Hafenverwaltung "bremenports" die Leistungsfähigkeit der jüngsten Zufahrt zu den Autoterminals und den Werften im Kaiserhafen unter Beweis stellen. 233 Millionen Euro und vier Jahre Bauzeit hat das 305 Meter lange Bauwerk gekostet; Eine gute Investition, meint der ver- antwortliche Hafenbauer Hans-Werner Vollstedt: "Durch die Kaiserschleuse führt der Weg zum größten Autoterminal in Europa."

Für das Business bisher zu klein

Rund 326 000 Importwagen aus Asien und den USA sowie Exportfahrzeuge aus deutscher Produktion wurden im ersten Quartal 2011 auf dem Autoterminal bewegt. Das sind zwar immer noch etwa 40 Prozent weniger als in den Rekordjahren mit bis zu 2,2 Millionen Fahrzeugen im Jahr. Dennoch bleibt für die Schleusenwärter viel zu tun: "Jährlich steuern mehr als 1000 Autotransportschiffe Bremerhaven an", erläutert Vollstedt.

Die alte Kaiserschleuse war für dieses Business schon seit langem zu klein. Immerhin stammte die älteste noch im Betrieb befindliche Bremerhavener Hafenzufahrt aus dem Jahr 1897. Mit einer Länge von 185 Metern und einer Durchfahrtsbreite von nur 28 Metern reichte sie für die modernen, bis zu 240 Meter langen Car Carrier längst nicht mehr aus.

Als einzige Zufahrt stand für die großen Schiffe die Nordschleuse zur Verfügung. Der Gedanke an Probleme mit dieser Schleuse bereitete den Hafenbetreibern Alpträume. "Der Hafen wäre dann wie eine Mausefalle verschlossen gewesen", so Vollstedt. Auch die Reeder der Automobilschiffe und der Terminalbetreiber BLG Automobile Logistics blickten jahrelang mit Sorge auf die Situation. "Für die Zuverlässigkeit des Autoterminals Bremerhaven sind zwei funktionsfähige Schleusen unerässlich. Darauf legen unsere Kunden, die Autoreeder und Automobilhersteller, sehr großen Wert", so der für den Autobereich zuständige BLG-Geschäftsführer Manfred Kuhr.

Der Schleusenbau als Reaktion auf diese Argumente erwies sich als technologische Herausforderung. Zum einen musste der Abriss der alten Schleuse parallel zum Bau der neuen Schleuse erfolgen. Zum anderen galt es, eine knappe Zeitplanung einzuhalten. "Die Schleuse ist Teil der Sturmflutsicherung Bremerhavens, die die Stadt vor Hochwasser schützen soll", erläutert Vollstedt. Insbesondere während der Sturmflutsaison von Herbst bis Frühjahr musste die ausreichende Bollwerksfunktion trotz der Bauarbeiten gewährleistet sein.

Obwohl die Arbeiten zwischenzeitlich einige Wochen ruhten, weil ein schwerer Baukran umstürzte, ist das Werk im Zeitplan fertig geworden. "Die Attraktivität des Autoterminals ist durch die neue Schleuse weiter gestärkt worden", stellt Automobile-Chef Kuhr anerkennend fest.

In diese Lobeshymne werden zwei Musicalstars am Eröffnungstag einstimmen. Am 30. April soll das hafenseitige Schleusentor – das sogenannte Binnenhaupt – zur Bühne für Sopranistin Marija Lisa Currie und Tenor Laurent Martin werden. Unterstützt von Chören aus Bremerhaven sollen sie das neue Bauwerk mit maritimen Songs und Musical-Melodien bejubeln.

Voraussetzung ist aber, dass zuvor alle 350 Sportboote der Eröffnungsparade die Schleuse reibungslos passieren. Begleitet von vier Windjammern werden die Schiffe am frühen Vormittag ihre Paradeposition auf der Weser einnehmen.