Am gestrigen Sonntag hat Deutschland den Arbeitsmarkt für acht osteuropäische Länder geöffnet. Befürchtungen über eine Verdrängung deutscher Arbeitnehmer steht die Hoffnung auf zusätzliche Fachkräfte gegenüber.

Magdeburg (dpa). Die Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer aus Osteuropa kann nach Ansicht von Arbeits- und Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) zur Linderung des Fachkräftemangels beitragen. "Ich hätte Interesse daran, wenn Ärzte zu uns kommen, dass sie dauerhaft bei uns bleiben und nicht nach ein paar Jahren wieder weggehen", sagte er. Der Bedarf an Medizinern sei groß, vor allem auf dem Land. "Den werden wir mit eigenen Ärzten so schnell nicht decken können."

In Sachsen-Anhalt fehlen aktuell etwa 700 Mediziner. "Es wäre ein Riesenvorteil, wenn durch die Freizügigkeit am Arbeitsmarkt der eine oder andere Arzt sagt, es ist viel leichter hierher zu kommen", sagte Bischoff. Wenn Ärzte aus Osteuropa auch mit Familien kämen, wäre dies besonders gut. "Junge Menschen und Familien mit Kindern bereichern das Leben in unseren Regionen. Mit unserer gut ausgebauten Kinderbetreuung können wir dazu beitragen, dass diese jungen Fachkräfte wirklich auf Dauer in Sachsen-Anhalt bleiben."

Voraussetzung für eine Zuwanderung von Fachkräften seien aber bundesweite Erleichterungen und einheitliche Regelungen, damit zum Beispiel Abschlüsse von Ärzten und weiteren Fachkräften aus den osteuropäischen EU-Ländern in Deutschland unbürokratisch anerkannt werden, sagte der Sozialminister, der mit Beginn der neuen Legislaturperiode auch für Arbeitsmarktpolitik zuständig ist.

Bundesweit wird laut Schätzungen mit etwa 150000 Zuwanderern gerechnet, die mit der Öffnung des Arbeitsmarktes jährlich nach Deutschland kommen. Für Sachsen-Anhalt rechnet Bischoff mit weniger als 3000 Menschen. Ähnlich wie Wirtschaftsforscher erwartet er, dass die Arbeitnehmer aus Polen oder Tschechien vor allem in den alten Bundesländern einen Job suchen. Dort gebe es mehr Arbeitsplätze, die Bezahlung sei besser und oftmals seien dort schon Landsleute. "Ich glaube, dass die Gefahr der Verdrängung von Arbeitsplätzen für Sachsen-Anhalt nicht das Problem darstellen wird", sagte Bischoff.

Nach dem Beitritt von acht Ländern zur Europäischen Union im Jahr 2004 trete mit der Öffnung des Arbeitsmarktes nun Normalität ein. "Ich sehe darin die Chance, dass Europa zusammenwächst, und dazu gehört auch die Freizügigkeit, dort Arbeit zu suchen und auch anzunehmen, wo es welche gibt." Das betrifft Arbeitskräfte aus den acht EU-Beitrittsländern Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn. Beschränkungen gelten noch für Bulgarien und Rumänien.