Berlin (dpa). Nicht alle Rückschläge erübrigen sich für Bahnchef Rüdiger Grube so schnell. Keine zwölf Monate nach dem Abstieg machte Hertha BSC mit dem DB-Logo auf den Trikots die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga klar. Da freute sich der Konzern als Hauptsponsor natürlich mit. Zu seinem zweiten Dienstjubiläum an der Spitze des bundeseigenen Verkehrsriesen kämpft der Manager ansonsten an mehreren Fronten – und braucht dafür weiter langen Atem. Die Technikprobleme in der Zugflotte, eine bessere Kunden-Information bei Störungen, das heikle Bahnhofs-projekt Stuttgart 21: "Leider gibt es in der komplexen Materie Bahn keine schnellen Erfolge", sagt der 59-Jährige.

Hart räumte er nach den erbitterten Schlachten am Ende der Ära seines Vorgängers Hartmut Mehdorn auf, befriedete den Skandal um Massenkontrollen von Mitarbeiterdaten. Jovial-norddeutsch pflegt der gebürtige Hamburger das Image des Kümmerers und drückt erstaunten Diskutanten gern eine Visitenkarte in die Hand, um später noch einmal zu telefonieren.

Für sein großes Ziel, das scheinbar einfach klingt, muss Grube aber ausdauernd kämpfen. "Ich will, dass wir ein sympathisches Unternehmen sind." Die leidigen Pannenserien bei Eis, Schnee und Hitze haben das Image ziemlich ramponiert. Auch im nahenden Sommer steht die Kühlkraft der ICE-Klimaanlagen wieder unter verschärfter Beobachtung. Entschuldigt hat er sich als Vorstandsvorsitzender schon öfter als sein Vorgänger in zehn Jahren – manche gereizte Kunden ruft er direkt an. "Er hat erkannt, dass für Fahrgäste viele Kleinigkeiten wichtig sind", bescheinigt ihm der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann.

Seineregelmäßigen Bekenntnisse zum "Brot- und Buttergeschäft" auf der Schiene im Inland genügen jedoch nicht allen. Mehr Personal in Werkstätten und für den Reisendenservice fordert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). "Es bleibt viel zu tun", mahnt auch der Verkehrsclub Deutschland.