Magdeburg. Landesweit waren gestern – am 16. Tag des Ausbildungsplatzes – mehr als einhundert Arbeitsvermittler in rund 330 Unternehmen unterwegs. Sie warben bei Firmen- und Personalchefs dafür, auch Lehrstellenbewerbern mit schlechteren Schulnoten eine Chance zu geben.

Mit Leistungsbereitschaft könnten viele dieser jungen Leute beruflich ihren Weg gehen, so die Überzeugung von Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) sowie Lutz Mania, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt- Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, und Lutz Bartel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Magdeburg. Gemeinsam besuchten sie gestern Aktuell Bau in Magdeburg. Bartel hatte Unterlagen von Bewerbern dabei, die aus Praktika erfreuliche Beurteilungen mitgebracht hatten. Manfred Schindler, geschäftsführender Gesellschafter der Firma, will die jungen Männer einladen und in der Praxis prüfen.

Der erfolgreiche Bauunternehmer setzt auf Fleiß und Zuverlässigkeit: "Wenn der Beton für die Baustelle geliefert ist, dann muss der Azubi zur Stelle sein, der für die Arbeiten eingeteilt ist. Wenn wir uns auf ihn verlassen können, haben wir auch den Mut, ihm das beizubringen, was er für den Beruf braucht", versicherte Schindler. Allerdings seien die Anforderungen in fast allen Bereichen des Hausbaus gestiegen, betonte er.

Schindler appellierte an Politik und Kammern, die Berufsausbildung flexibler zu gestalten. "Ab fünf Grad abwärts dürfen wir nicht bauen. Von Dezember bis März könnte also Schule stattfinden. Aber die Azubis müssen gerade dann wieder in die Berufsschule, wenn wir sie auf den Baustellen brauchen", monierte der Unternehmer. Damit die Jugendlichen ihre Talente entdecken können, sprach er sich für einen Azubi-Austausch innerhalb der Aktuell-Bau-Firmen-Familie aus.

Zurzeit haben in Sachsen-Anhalt 6100 Bewerber noch keinen Ausbildungsplatz. 6500 Lehrstellen sind noch unbesetzt. Von den unversorgten Bewerbern haben rund 3 Prozent keinen Schulabschluss, 24 Prozent haben einen Hauptschulabschluss. Im Agenturbezirk Magdeburg haben 1600 Jugendliche noch keine Lehrstelle, 40 Prozent sind Altbewerber.