Der ostdeutsche Sondermaschinen- und Anlagenbau steht vor neuen Herausforderungen. Das wurde gestern auf einer Fachtagung des namensgleichen sachsen-anhaltischen Cluster-Netzwerkes sowie des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Ost in Magdeburg deutlich. Themen waren unter anderem die Energiewende und Kooperationen zwischen Unternehmen.

Magdeburg. Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau hat alles in allem wieder Fahrt aufgenommen. "Die Unternehmen verzeichneten in den vergangenen Monaten steigende Kapazitätsauslastungen und Auftragsbestände. Stellenabbau und Kurzarbeit spielen nur noch eine untergeordnete Rolle." So lautet die aktuelle Lageeinschätzung der Regionalvertretung Ost des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Auf einer Fachtagung mit dem sachsen-anhaltischen Cluster Sondermaschinen- und Anlagenbau (SMAB) tauschten sich gestern Firmen- und Verbandsvertreter in Magdeburg über die aktuelle Lage der Branche und neue Aufgabenfelder aus. Dem Cluster gehören landesweit 90 Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette von der Entwicklung, über die Produktion und den Vertrieb an.

Im Fokus der Veranstaltung standen unter anderem der Ausbau der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft oder mit der Energiewende verbundene neue Herausforderungen an den Maschinen- und Anlagenbau. Hier sieht der VDMA ostdeutsche Unternehmen gut aufgestellt. "Das Potenzial, Ideen und die Produktionstechniken sind vorhanden", sagte Tilo Sinner vom VDMA Ost mit Blick auf die Entwicklung und Umsetzung energie- und materialsparender Technologien.

Aus dem Ausstieg aus der Kernenergie und dem Umstieg auf Formen der alternativen Energiegewinnung könnten sachsen-anhaltische Unternehmen nur gewinnen, zeigte sich Wirtschaftsstaatssekretär Michael Richter überzeugt. Nach dem beispiellosen Einbruch Anfang der 1990er Jahre habe die Branche wieder zu alter Stärke zurückgefunden und auch das Vorkrisenniveau wieder erreicht. In Sachsen-Anhalt sind in den Bereichen Metallerzeugnisse und Maschinenbau rund 500 Unternehmen mit insgesamt mehr als 31000 Beschäftigten tätig, die einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro erwirtschaften.

Gleichwohl müssten die Unternehmen im Interesse der nachhaltigen Sicherung der Konkurrenzfähigkeit verstärkt in die Forschung und die Zusammenarbeit mit Hochschul- und wissenschaftlichen Einrichtungen investieren, sagte Richter. So würden die Anforderungen der Kunden beispielsweise nach Systemlösungen immer spezieller. Nunmehr komme es darauf an, Unternehmen und Hochschulen noch enger zu verzahnen, um neue Forschungsergebnisse schnell in marktfähige, innovative Produkte und Verfahren umzusetzen. Von Seiten des Landes soll dazu die Forschungs- und Entwicklungsförderung überprüft und geschaut werden, "wo wir eventuell nachjustieren müssen", kündigte der Staatssekretär an.

Ausschlaggebend für den künftigen Erfolg der ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbauer seien neben Themen wie der Fachkräftesicherung und Ressourcenschonung im Besonderen Kooperationen von Unternehmen, sagte Sinner. Diese seien für den Mittelstand "unverzichtbar". Damit und in der gezielten Zusammenarbeit mit Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen könnten ostdeutsche Unternehmen ihre Größennachteile ausgleichen und Geschäftsfelder ergänzen.

Auch für den Geschäftsführer der tti Technologietransfer und Innovationsförderung Magdeburg GmbH, Günter Ihlow, ist es eine der wichtigsten Fragen der kommenden Jahre, wie es gelingen kann, "Betriebe so zu verheiraten, dass aus ihnen Systemlieferanten werden" und diese so eine relevante Marktgröße erreichen.

Diesen Prozess zu fördern, könne beispielsweise über Netzwerkarbeit etwa durch firmenübergreifende gemeinsame Forschungsprojekte oder auch das öffentliche Herausstellen von guten Kooperationsbeispielen gelingen, schlug Sinner vor.