In den nächsten Jahren werden deutlich mehr Arbeitskräfte in Rente und Ruhestand gehen, als neue Fachkräfte nachwachsen. Der demografische Wandel wird es Unternehmen zunehmend schwerer machen, ihren Personalbedarf zu decken, sagte gestern der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Magdeburg Lutz Bartel. Die Arbeitskräftesicherung werde für die Wirtschaftsregion zunehmend wichtiger.

Magdeburg. "Wir hatten bisher ein Überangebot an Arbeitskräften, das kippt, wir bekommen einen Mangel", sagte Bartel. Schon in den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosenzahl gesunken – aus wirtschaftlichen und demogra- fischen Gründen. Waren im Januar 2005 im Agenturbezirk (Landeshauptstadt und umliegende Kreise) noch 65 500 Frauen und Männer arbeitslos, so lag die Zahl Anfang 2010 bei 38 100 (minus 41 Prozent). Das stimmt froh – angesichts der Wirtschaftskrise und rabenschwarzer Arbeitsmarktprognosen. Für Arbeitsuchende zeichnen sich für die nächsten Jahre weit bessere Chancen ab.

Für viele Unternehmen könnte die Lösung des Fach- und Arbeitskräfteproblems zur Existenzfrage werden, schätzte Bartel ein. Berechnungen des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt zufolge wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Magdeburg und den umliegenden Landkreisen bis 2025 auf 336 000 Personen sinken, im Vergleich zu 2008 mit 450 000 Erwerbsfähigen sind das 114 000 oder etwa ein Viertel weniger.

In den nächsten Jahren werde sich rechtzeitig geleistete vorausschauende Nachwuchsarbeit auszahlen, sagte Bartel. Wer aber in den "fetten Jahren" Ausbildung im eigenen Unternehmen verschlafen hat, könnte das bereuen.

Hatten im Jahr 2005 noch etwa 8200 Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen verlassen, so sind es in diesem Jahr nur noch 4400. In drei Jahren wird es im Agenturbezirk Magdeburg nur noch 4100 Schulabgänger geben. Und um die Abiturienten werden verstärkt die Hoch- und Fachschulen werben.

"Wir müssen dringend etwas tun", so Bartel. Eine Aufgabe sieht er in der engeren Vernetzung der Arbeitsagenturen mit Arbeitgebern und Kammern, mit dem Wirtschaftsministerium, den Hochschulen und Instituten. Es gelte herauszufinden, wer in den nächsten Jahren welche Fach- und Arbeitskräfte benötigt, wie sich Branchen entwickeln, wohin qualifiziert werden muss.

Es gehe um Infrastruktur, Arbeitsbedingungen sowie Löhne und Gehälter, die Mitarbeiter in den Unternehmen halten. Es gehe um den Abbau von Hürden, die Alleinerziehenden den Zugang zum Arbeitsmarkt versperren. Wichtig sei es auch, den gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Arbeitsgemeinschaften zu stärken, um gering qualifizierte Langzeitarbeitslose schrittweise für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen.

Die Werbung um den Nachwuchs müsse gebündelt werden, so Bartel weiter. Die Messe "Perspektiven" habe schon einen großen Sprung gemacht, sei aber weiter ausbaufähig. Noch mehr Unternehmen sollten dieses Podium nutzen.

Der Anfang ist gemacht: Am Montag hatte die Agentur für Arbeit zum Arbeitgebergespräch "Region Magdeburg 2020 – Wirtschaftsstandort mit Zukunft!?" eingeladen, um das Arbeits- und Fachkräfteproblem zu diskutieren – mit guter Resonanz. "Je drängender das Problem wird, desto offener werden die Ohren", so Bartels Resümee.