In Magdeburg entsteht das größte Zentrum für die Verarbeitung von Ölsaaten in Sachsen-Anhalt. Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) übergab gestern an die Investoren den Zuwendungsbescheid für die massive Erweiterung des bereits existierenden Bio-Ölwerkes.

Magdeburg. Die Zeichen für das Bio-Ölwerk in Magdeburg stehen auf Erweiterung. Die Anlage, in der von mehr als 70 Mitarbeitern aus Rapssaat und Pflanzenöl verschiedene Produkte wie Biodiesel, Pharmaglycerin und Rapskuchen unter anderem für die Pharma- und Kosmetikindustrie und für die Mischfutterindustrie hergestellt werden, bekommt Zuwachs – das Bio-Ölwerk III.

Bei dem neuen Werk handelt es sich um eine Anlage zur Erzeugung von Ölen aus pflanzlichen Rohstoffen sowie um ein Biomasse-Heizwerk, das das Bio-Ölwerk mit Dampf versorgen soll. Das Projekt kostet insgesamt fast rund 70 Millionen Euro. Durch die Neuinvestition soll die Mitarbeiterzahl am Standort perspektivisch auf insgesamt mehr als 100 Beschäftigte steigen.

Investoren sind die PROKON-Unternehmensgruppe (Itzehoe/Schleswig-Holstein) und die Agro Bördegrün GmbH & Co. KG (Niederndodeleben/Landkreis Börde). Die PROKON-Unternehmensgruppe ist eines der führenden Unternehmen der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern und betreibt eigene Windparks. Durch die Mehrheitsbeteiligung am Bio-Ölwerk Magdeburg ist PROKON auch im Biodieselmarkt tätig.

"In Ergänzung zu den bereits existierenden Bio-Ölwerkanlagen im Hafen von Magdeburg wird mit der 2011 in Betrieb gehenden neuen Anlage das größte Zentrum der Ölsaatenverarbeitung in Sachsen-Anhalt entstehen", sagte gestern der Geschäftsführer der Bio-Ölwerk Magdeburg GmbH, Reinhard Kluge, anlässlich der Übergabe des Fördermittelbescheides in Höhe von 9,4 Millionen Euro durch Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). "Künftig werden jährlich mehr als 700 000 Tonnen Raps durch uns verarbeitet", ergänzte Kluge. Zudem würde die Produktpalette des Bio-Ölwerks etwa um Nahrungsmittelöle erweitert. Das gewonnene Öl soll zum Beispiel als Speiseöl verkauft werden, aber auch als Kraftstofföl.

Kluge zufolge sei das Investment zum einen "ein Zeichen dafür, dass es am Standort weitergeht". Zum anderen wolle sich das Bio-Ölwerk aus der totalen Abhängigkeit vom Dieselmarkt, mithin von politischen Entscheidungen, die man nicht beeinflussen könne, lösen.

Das Heizkraftwerk wird die GETEC AG (Magdeburg) als Generalunternehmer errichten und betreiben. Vorstand Karl Gerhold zufolge entsteht damit zugleich die größte Pelletkesselanlage Europas. Verbrannt werden sollen Holz-Pellets und Raps-Extrationsschrot. Mit einer Feuerungsleistung von knapp 20 Megawatt würden zirka 150 000 Tonnen Prozessdampf erzeugt. Die GETEC AG ist seit 1993 als Contractor (Energiedienstleister) bundes- und europaweit tätig. Die gesamte GETEC-Gruppe erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro.

"Die Investitionsentscheidung des Bio-Ölwerks zeigt, dass Sachsen-Anhalt ein exzellenter Standort für den Anbau landwirtschaftlicher Produkte und deren Weiterverarbeitung ist", sagte Wirtschaftsminister Haseloff. "Mit der Investitionsförderung wollen wir das Unternehmen dabei unterstützen, sein Geschäftsfeld um die Nahrungsmittelproduktion zu ergänzen und sich damit künftig breiter aufzustellen", fügte er hinzu. Besonders erfreulich sei, dass mit dem Magdeburger Anlagenbauer CIMBRIA SKET und der GETEC AG einheimische Unternehmen den Zuschlag für den Bau der Ölgewinnungsmühle und des Biomasse-Heizwerks erhalten hätten.

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