München (dpa). Ein gefeuerter Manager kämpft um sein Millionengehalt: Eineinhalb Jahre nach seinem Rauswurf bei dem maroden Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate zieht Ex-Chef Georg Funke in München vor Gericht. An diesem Donnerstag (6. Mai) will der 55-Jährige gegen die Kündigung klagen und rund 3,5 Millionen Euro Gehalt nachfordern. Sollte er gewinnen, müssten die Steuerzahler für die Millionenrechnung aufkommen, da die HRE inzwischen vollständig dem Staat gehört.

Im Drama um die HRE spielte Funke im Herbst 2008 die Hauptrolle: Unter seiner Führung war die HRE fast kollabiert und musste mit Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro gerettet werden. Dass ausgerechnet er nun um Millionen streiten will, sorgt bei Manchem für Fassungslosigkeit. "Völligen Realitätsverlust" diagnostizierte der Wirtschaftsprofessor Joachim Schwalbach aus Berlin bei Funke, von "kaum nachvollziehbarer Maßlosigkeit" spricht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Solche Klagen sind ein Grund dafür, dass das Bild vom gierigen Manager bestehen bleibt", sagt DSW Sprecher Marco Cabras.

Funke stand seit der Gründung der HRE an der Spitze des Konzerns und wurde nach der knapp verhinderten Pleite entlassen, obwohl sein Arbeitsvertrag eigentlich noch bis zum September 2013 läuft. Sein darin vereinbartes Festgehalt beträgt laut Geschäftsbericht 800 000 Euro pro Jahr – und das Geld will er bis zum Ende der Laufzeit haben. Da er sich auf einen Arbeitsvertrag berufen kann, stehen seine Chancen in dem Verfahren gar nicht so schlecht.

"Arbeitsverträge sind grundsätzlich einzuhalten", sagt Cabras – auch wenn die Frage der Moral im Fall Funke auf einem anderen Blatt stehe. "Er ist immerhin derjenige, der den Laden an die Wand gefahren hat." Mit Funke ziehen zwei weitere ehemalige Vorstände vor Gericht, die ebenfalls gegen ihre Kündigung klagen wollen.

Die Hypo Real Estate hatte den Rauswurf Funkes mehrfach verteidigt. Unter anderem warf sie dem Manager Medienberichten zufolge vor, den Kauf der irischen Pfandbriefbank Depfa mangelhaft vorbereitet zu haben. Die Depfa hatte die HRE auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in den Abgrund gezogen, weil sie langfristige Kredite nicht mehr kurzfristig refinanzieren konnte.

Seit seinem Abtritt bei der HRE ist Funke von der Bildfläche verschwunden. Seine beiden Luxus-Villen in München soll er zum Preis von mehreren Millionen Euro verkauft haben und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Ob er einen neuen Job hat und wo er nun wohnt, ist unklar.

Dass er bei dem Gerichtstermin am Donnerstag persönlich erscheint, ist unwahrscheinlich. Ein Foto von Funke mit gefalteten Händen ging in viele Jahreschroniken des wirtschaftlichen Horrorjahres 2008 ein, seitdem ist der gebürtige Gelsenkirchener in der Öffentlichkeit bekannter als mancher Politiker. Den Auftritt vor Gericht wird er sich deshalb wohl ersparen. Funke sei nicht geladen und könne sich durch einen Anwalt vertreten lassen, sagte ein Sprecher des Gerichts.

Auch den ehemaligen Aktionären der HRE wird Funke wohl nicht freiwillig begegnen wollen. Sie werfen ihm vor, 2008 viel zu spät auf die Probleme hingewiesen und ihnen dadurch hohe Verluste beschert zu haben. Auch sie kämpfen derzeit vor Gericht um ihr Geld. "Ein möglicher Anspruch des Herrn Funke darf deshalb niemals zur Auszahlung kommen, sondern muss mit dem zu leistenden Schadenersatz verrechnet werden", sagt Bohdan Kalwarowskyj, der mit dem Kauf von HRE-Aktien für seine Kinder mehrere tausend Euro verlor. "Es ist nur gerecht und fair, wenn die gierigen Bankvorstände die Quittung für ihr Fehlverhalten bekommen und zukünftig als Hartz IV-Empfänger die Kehrseite des Lebens kennenlernen."