Biete Dach, suche Investor. Nach diesem einfachen Prinzip hat die Harzer Kreisverwaltung eine virtuelle Börse eingerichtet. Dieser Internet-Marktplatz soll potenzielle Interessenten an Solaranlagen und die Eigentümer von Gebäuden mit dafür geeigneten Dächern unkompliziert zusammenbringen.

Halberstadt. Der Anstoß für dieses in Sachsen-Anhalt einmalige Engagement eines Landratsamtes kam im Kreistag – und das dürfte kaum verwundern – von der bündnisgrünen Fraktion. Dass seither beinahe zwei Jahre vergangen sind, erfreut den damaligen Fraktionschef Peter Lehmann allerdings nicht.

"Nach dem gescheiterten Kopenhagener Klimagipfel und den Kürzungen für die Solarwirtschaft durch die Bundesregierung, müssen Investitionen in die Solartechnik zügig vorgenommen werden, ehe die Förderung gänzlich fortfällt", fordert der Wernigeröder.

Im Harzkreis bieten bislang elf Orte mit 17 Gebäuden auf einer eigens gestalteten Internetseite ihre öffentlichen Dachflächen an. Alles in allem fast 11 600 Quadratmeter, vergleichsweise rund eineinhalb Fußballfelder groß.

Was auffällt, private Anbieter sind bislang nicht vertreten. Wer also in Solarstromanlagen investieren will, allerdings über keine geeigneten Flächen verfügt, oder aber wer große Dächer, jedoch kein Interesse am eigenen Investment hat, der kann mit Hilfe der Harzer Internet-Börse schnell zueinanderfinden.

Rund 300 Quadratmeter Dachfläche werden in unseren Breiten benötigt, um eine Leistung von 30 Kilowatt erzeugen zu können. Anlagen dieser Dimension sind derzeit am gefragtesten, weil es dafür eine staatlich garantierte Vergütung durch die Stromkonzerne von 39,14 Cent pro Kilowattstunde gibt. Je größer die Photovoltaikanlage, desto niedriger fällt diese für immerhin 20 Jahre gültige Preisgarantie aus. Wie Steffen Meinecke von den Wernigeröder Stadtwerken berichtete, sind in der Harzstadt bislang 38 solcher Sonnenstrom-Anlagen installiert worden. Sie zusammen können in einem Jahr eine Strommenge 230 000 Kilowatt erzeugen. Das bedeutet, 115 sogenannte Durchschnittshaushalte, die jährlich 2000 Kilowatt verbrauchen, werden allein durch Sonnenstrahlen mit Elektroenergie versorgt.

Von mit dem Harzer Engagement ähnlichen kommunalen Aktivitäten weiß das Umweltministerium in Bitterfeld und Magdeburg. Auch habe das Liegenschafts- und Immobilienmanagement Sachsen-Anhalt (Limsa) rund 2500 Quadratmeter staatlicher Dachflächen für Photovoltaikanlagen verpachtet. Wie Sprecher Detlef Thiel einräumte, gebe es dafür in seinem Haus keine Übersicht, weil Kommunen darüber keine Meldungen abgeben müssten.

Wie Sachsen-Anhalt bei der Solarstromerzeugung insgesamt im Deutschlandvergleich aufgestellt sei, lasse sich ebenfalls nur relativ pauschal beurteilen. Der Anteil sei trotz jährlicher Verdreifachungsraten mit 0,3 Prozent unbedeutend. Hinzu komme, so Thiel, dass die sogenannten Klimaeffekte wegen der energieintensiven Herstellung von Solarzellen ebenso unbedeutend seien und damit die CO2-Vermeidungskosten sehr hoch: Immerhin rechnerische 931 Euro Solarförderung müssten ausgegeben werden, um eine Tonne des Klimagases CO2 einzusparen, so der Sprecher des Umweltministeriums zur Volksstimme.

Detlef Thiel zufolge gibt es bundesweit nur in Nordrhein-Westfalen und Sachsen spezielle Landes-Förderprogramme für Solarstrom, allerdings habe Dresden aus Kostengründen dieses gerade "eingefroren". Wobei das sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz ohnehin bereits eine Wirtschaftlichkeit sicherstelle.

Thiel abschließend: "Die Unterschiede zwischen den deutschen Regionen sind im Wesentlichen darauf zurück- zuführen, dass die ,Südländer‘ über günstigere Sonnenverhältnisse (damit höhere Strom- erträge) und über ein besseres Niveau bei Einkommen und privatem Kapital verfügen."