Halle (dpa). Die Agentur für Arbeit in Sachsen-Anhalt und Thüringen hat die Unternehmen zu einem Umdenken bei der Suche nach Facharbeiternachwuchs aufgefordert. "Die Bewerber stehen nicht mehr Schlange, der Unternehmer muss jetzt in Konkurrenzmus-tern denken und selbst Strategien entwerfen, wie er an die besten Bewerber kommt", sagte der Vorsitzende der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius.

Der Trend zu weniger Bewerbungen werde in diesem Jahr deutlich sichtbar. So gab es im April in Sachsen-Anhalt 10 000 und in Thüringen 9400 Bewerber für Lehrstellen. Das waren rund 11 beziehungsweise 16 Prozent weniger als im Vorjahr.

Wichtig sei es zum Beispiel, den Auszubildenden eine bessere Perspektive zu bieten, sagte Senius. "Dabei müssen die Unternehmen sowohl über eine mögliche Erhöhung der Vergütung als auch der Übernahmechancen für die Lehrlinge nachdenken." In Sachsen-Anhalt seien bislang 45 Prozent und in Thüringen 60 Prozent der Auszubildenden nach der Lehre übernommen worden.

"Das Phänomen des demografischen Wandels ist in der Wirtschaft bekannt, und es ist auch nicht so, dass die Unternehmen untätig herumsitzen." Es gebe jedoch noch immer zu viele Unternehmen, die in alten Denkstrukturen verhaftet seien. Außerdem lebe die Wirtschaft in Thüringen und Sachsen-Anhalt von kleinen und mittelständischen Unternehmen. "Die meisten von denen können sich keine Personalabteilung leisten, die Personalstrategien entwickeln. Diese Unternehmen werden wir in Zukunft noch intensiver beraten", sagte Senius.

Auf die Klagen der Wirtschaft eingehend, dass immer weniger Jugendliche ausbildungsfähig seien, sagte Senius: "Ich halte nichts von pauschalen Verurteilungen ganzer Generationen." Am Tag des Ausbildungsplatzes, den die Arbeitsagenturen am 11. Mai bundesweit zum 15. Mal ausrichten, wollen die Vermittler in Unternehmen gehen und junge Leute für eine Lehrstelle vorschlagen, die etwas schwächere Schulnoten haben.