Paris (dpa). Die Börsenkrise ist nach Einschätzung des Ökonomen André Orléan Ergebnis einer "ansteckenden Panik". Es gebe keine Institutionen, die dafür sorgten, dass "der Preis der Aktiva die wirtschaftliche Realität" spiegelten, sagte Orléan der Zeitung "Libération" (Samstag). "Die Entscheidung der Märkte ist nicht das reif überlegte Ergebnis rationaler Überlegungen, sondern das Produkt einer kollektiven Dynamik, wo jeder vorwegnehmen will, was die anderen denken."

Orléan ist Forschungsdirektor des Instituts CNRS und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Pariser Börsenaufsicht AMF. Bei steigenden Preisen sinke auf Gütermärkten die Nachfrage, sagte er. "Doch auf Finanzmärkten passiert das Gegenteil." Steigende Preise lösten Euphorien aus, die die Kurse trieben. "Der Glaube verwirklicht sich selbst." Genauso ansteckend sei die Börsenpanik, die "ihre Rechtfertigung selbst" schaffe. "Der Wettbewerb spielt auf den Finanzmärkten keine regulierende Rolle", sagte Orléan. Wer alleine gegen die Panik handele, trage ein hohes Verlustrisiko. Die Akteure könnten daher nur mit den anderen mitziehen.

Theoretisch würden die Ratingagenturen die Werte der Aktiva deutlich machen, sagte Orléan. "Doch sie sind nicht unabhängig. Sie sind auch nicht autonom" von Marktinteressen. Die Ratingagenturen gäben den Marktschwankungen sogar noch mehr Widerhall. "Sie sind gleichzeitig Richter und Partei." Man brauche für die Bestimmung von Börsenwerten Institutionen mit dem "Blick von außen".

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