An der 1200 Kilometer langen Ostsee-Erdgaspipeline wird jetzt auch in deutschen Gewässern gebaut. Am Sonnabend begann die Nord Stream AG im Greifswalder Bodden vor der Anlandestelle Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern mit den Ramm- und Baggerarbeiten für die Verlegung der Pipelinerohre.

Lubmin (dpa). Die Trasse wird auf 82 Kilometern Länge durch deutsche Gewässer geführt, bevor sie Lubmin bei Greifswald erreicht. Dabei soll die Leitung auf einer Länge von 47 Kilometern unter dem Meeresboden liegen. Vor fünf Wochen erfolgte im russischen Wyborg der offizielle Baustart der Pipeline, kurz danach begannen bei Lubmin die Bauarbeiten an Land. Die Arbeiten im Wasser durften erst nach der Heringslaichzeit anfangen.

Die wichtige Phase der Bauarbeiten unter Wasser habe pünktlich begonnen, sagte der Nord Stream-Projektleiter für Deutschland, Georg Nowack. Voraussichtlich könne Ende Juni die Verlegung der Rohre wie geplant starten.

Der Baubeginn in den deutschen Gewässern galt lange als unsicher. Der Umweltverband BUND hatte wegen der aus seiner Sicht erheblichen Umweltschädigungen gegen die Verlegung der Pipelinerohre geklagt. Ende April einigten sich Nord Stream und der BUND auf einen außergerichtlichen Kompromiss.

Das Firmenkonsortium verpflichtete sich, das für Tiere am Meeresboden gefährliche Mergelgestein aus dem Bodenaushub nicht im Wasser, sondern an Land zu lagern. Es soll später zur Erweiterung des Fährhafens Sassnitz verwendet werden. Zudem stockt Nord Stream die Gelder für Ausgleichsmaßnahmen in der Natur und deren Unterhaltung um mehr als zehn Millionen Euro auf.

An dem Investoren- und Betreiberkonsortium Nord Stream ist der russische Energiekonzern Gazprom mit 51 Prozent beteiligt. Gesellschafter sind auch BASF Wintershall und Eon Ruhrgas mit jeweils 20 Prozent sowie die niederländische Gasunie mit neun 9 Prozent.

Das Erdgas aus dem ersten Leitungsstrang mit einer Jahreskapazität von 27,5 Milliarden Kubikmeter ist nach Nord Stream-Angaben fast vollständig durch Lieferverträge mit westeuropäischen Energiekonzernen wie Eon Ruhrgas, Wingas, der niederländischen Gasunie oder dem dänischen Unternehmen Dong Energy gebunden.

Seit dem Baustart im April wurden 80 Kilometer Pipelinerohre in schwedischen Gewässern verlegt. Ende 2011 soll durch die Rohre das erste russische Gas nach Lubmin strömen. Der Großteil des von Gazprom geförderten Gases stammt aus dem westsibirischen Erdgasfeld Yuzhno Russkoye – eine der weltweit größten Lagerstätten.

Bevor das Arbeitsschiff "Castoro 10" mit dem Verlegen der Pipelinerohre beginnen könne, werde zunächst ein 550 Meter langer Graben von der Anlandestelle aus in die Ostsee gebaut, sagte Projektleiter Nowack. Der Graben wird durch sogenannte Spundwände, die in den Boden getrieben werden, gesichert.

Das Verlegeschiff der italienischen Firma Saipem werde Ende Juni rund 1000 Meter vor Lubmin ankern. Mit einer Hochleistungszugwinde sollen dann der erste von zwei Pipelinesträngen vom Schiff aus in Richtung Lubmin gezogen und im Graben versenkt werden. In größeren Wassertiefen komme ein zweites Verlegeschiff zum Einsatz. Bis Ende des Jahres wollen die Firmen die Arbeiten im Greifswalder Bodden und bis Oktober 2011 in den deutschen Gewässern abschließen.

Auswirkungen für Badegäste seien nicht zu erwarten.