Nach dem trockenen April sind die reichen Niederschläge im Mai für Ackerbauern ein Geschenk des Himmels. Aber es gibt auch Probleme: Felder sind teilweise so durchnässt, dass sie nicht befahrbar sind, Pflanzenschutzmaßnahmen und Grünschnitt müssen warten. Außerdem ist es zu kalt, was nicht nur Spargelbauern zu schaffen macht. Auch der wärmeliebende Mais will bei diesen Temperaturen nicht wachsen.

Magdeburg. "Wir hatten in der Altmark im Mai im Schnitt mehr als 60 Millimeter Niederschlag, das ist ein wahrer Segen", sagte der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Lückstedt, Frank Wiese. Das Wintergetreide, das sich im trockenen April nicht so gut entwickelt hatte, stehe nun wieder besser da. Auch der Raps habe kräftige Seitentriebe ausgebildet und blühe recht gut.

Der Betrieb in der Altmark bewirtschaftet 3500 Hektar Acker- und Grünland, hat 880 Milchkühe und 600 Sauen (sowie die eigene Aufzucht und Masttiere) in den Ställen und betreibt eine Schlachterei. 80 Frauen und Männer stehen in der Agrargenossenschaft Lückstedt in Lohn und Brot.

"Wichtig ist, dass es im Juni nochmals Niederschläge gibt, dann können die Erträge ordentlich werden", so Wiese, als Landwirt sei er Optimist. Schlechter sei es um den Mais bestellt. Der sei zwar aufgelaufen, aber die jungen Pflanzen verfärbten sich gelb und seien durch die Kälte im Wachstum gebremst. Auch den Zuckerrüben sei es zu kalt. Wiese hofft, dass die Pflanzen im Wachstum aufholen, sobald es wärmer wird. "Die Natur hilft sich oft selbst."

"Die Aufgänge sind gut, aber die Zuckerrüben wachsen zurzeit nicht", bestätigte Axel Schönecker, Rübenbürochef in der Nordzucker-Fabrik Klein Wanzleben (Landkreis Börde). Die Felder seien nicht befahrbar, teilweise stehe Wasser auf den Äckern.

Franz Michiels-Corsten, landwirtschaftlicher Standortleiter der Zuckerfabrik Könnern und Geschäftsführer des Zuckerrübenanbauerverban- des Könnern (Pfeifer & Langen) berichtete von punktuellen Erosionsschäden durch Starkregen in einigen Hanglagen. Ansonsten sei die Rübensaat überwiegend gleichmäßig aufgegangen. Die Fabrik im Salzlandkreis hat 23 500 Hektar Rübenanbaufläche unter Vertrag, den Großteil in Sachsen-Anhalt, aber auch 5000 Hektar in Brandenburg.

Anders als in Altmark und Börde, wo es im April deutlich trockener gewesen war, sei die Saat im Einzugsbereich des Zuckerwerkes Könnern zwar ebenfalls sehr langsam, aber doch gleichmäßiger aufgelaufen. Indessen sprieße das Unkraut, das sei vitaler als die Kulturpflanzen.

"Die Keimblattbehandlung ist erfolgt, jetzt ist die Anschluss- spritzung gegen Unkräuter nötig", betonte Michiels-Corsten. Durch Kälte und Regen seien die Zuckerrübenpflanzen jetzt sehr empfindlich, die schützende Wachsschicht sei nicht so gut ausgeprägt. Deshalb sei es ratsam, geringere Herbizidmengen aufzubringen, die Maßnahme aber nach fünf bis sieben Tagen zu wiederholen. Sobald die Böden befahrbar seien, solle die Unkrautbekämpfung vorgenommen werden, empfahl Michiels-Corsten. Er hofft auf steigende Temperaturen, damit die Pflanzen dem empfindlichen Stadium entwachsen. Dann könne ihnen auch die Genetzte Ackerschnecke, die sich auf den nassen Böden jetzt sehr wohl fühlt, nicht mehr so viel anhaben.

Auf die Felder der Agrargesellschaft Börde Rottmersleben sind im Mai bereits knapp 100 Millimeter Regen niedergegangen. "Der Niederschlag hat nach dem trockenen April gut getan, aber die Kälte setzt Mais und Rüben zu", sagte Geschäftsführer Thomas Seeger. Trockenes, warmes Wetter werde auch für den ersten Grasschnitt gebraucht, der jetzt fällig wäre. Aber: "Keine Chance", sagte Seeger. "Die Böden sind durchgeweicht. Und am Mittwoch droht der nächste Regen." Die Agrargesellschaft bewirtschaftet 1800 Hekar Acker und 200 Hektar Grünland. In den Ställen stehen 330 Milchkühe und 1000 Mastrinder.