Die Milchbauern wollen ihre Verhandlungsposition gegenüber den Molkereien stärken. Die derzeit für den April gezahlten durchschnittlich 26 Cent für den Liter Rohmilch (Grundpreis) decken nicht die Produktionskosten. Bis zum Auslaufen der Quotenregelung im Jahr 2015 wird die Milchwirtschaft in neue Vertragsbeziehungen hineinwachsen, ist sich der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes (LBV) Fritz Schumann sicher.

Magdeburg. "Der Weltmarkt zieht an, die EU hat die Interventionslager geleert und bei dem Verkauf gut verdient. Der Export von Käse und Fassbutter läuft wieder, weil der Eurokurs gefallen ist. Der Rohstoff Milch wird knapper, Discounter und Supermarktketten erhöhen die Preise, aber bei den Landwirten ist davon noch nichts zu spüren", umriss Schumann die Lage.

"Die Milch kann zurzeit komplett am Markt abgesetzt werden, aber der Weg in Richtung 30 Cent für uns Bauern ist noch nicht absehbar", sagte Reinhard Ulrich. Sein Betrieb, die Quellendorfer Landwirte GbR (Anhalt-Bitterfeld), hat 1000 Milchkühe. "Die Verluste bei der Milchproduktion konnten wir immer noch mit dem Ackerbau ausgleichen", so Ulrich. Das könne nicht Sinn der Sache sein.

"Wir haben wegen der Verluste aus der Milchproduktion geplante Ersatzinvestitionen und Modernisierungen ins nächste Jahr verschoben", sagte Eberhard Stahr, LBV-Vorstand und Geschäftsführer der Ostrauer Agrar GmbH (Saalekreis). Die Modernisierung der Lüftungs- und Heizungsanlagen in den Schweineställen muss warten.

Und nun haben die Unternehmen auch noch Sorge um den wichtigen ersten Grasschnitt als Futtergrundlage für die Kühe. "Es ist zu nass, die Flächen sind nicht befahrbar. Wir brauchen ein paar warme trockene Tage, um das Gras in ordentlicher Qualität zu ernten", sagte LBV-Präsident Frank Zedler. "Nach den Wetterprognosen können wir erst Pfingstsonntag mähen und das Gras auf Schwad legen. Es muss anwelken, bevor es ins Silo kommt", erklärte der Geschäftsführer der Hoymer Agrar GmbH (Salzlandkreis).

Nach Angaben des Bauernverbandes haben 2009 in Sachsen-Anhalt 58 Betriebe die Milchproduktion aufgegeben, der Trend setze sich fort. Allerdings wurden die Milchmengen von expandierenden Betrieben übernommen.

Aufgrund der Ausweitung der Lieferrechte in der EU verliert die Milchquote bis zum Quotenausstieg 2015 an Wert. Bei den letzten Handelsrunden an den Börsen sei Quote in Richtung Norden abgewandert, "dort gibt es viel Grünland", sagte LBV-Vizepräsident Torsten Wagner. Der Preisdruck werde aber vor allem dazu führen, dass die Milch zum besseren Wirt wandert. "Das zwingt zu einer höheren Konzentration und führt zu einer Diskrepanz zwischen betriebswirtschaftlich notwendiger Größenordnung und dem, was die Bevölkerung toleriert."

"Durch die Entwertung und das Ende der Milchquote werden sich die Beziehungen zwischen Bauern und Molkereien ändern", betonte Professor Schumann. Und das werde nicht erst 2015 passieren, man werde da langsam hineinwachsen. Die Molkerei werde nicht mehr die Quotenmenge einfach abnehmen und ihr Restgeld an die Bauern durchreichen können. Die Bauern werden ihre Milchmengen bündeln und gemeinsam vermarkten. Die Bildung von Erzeugergemeinschaften müsse von unten geschehen, denn die Betriebe müssten Entscheidungskompetenz abgeben – an denjenigen, der das Mandat erhält, mit den Molkereien zu verhandeln, erläuterte Schumann. Zwischen den Molkereien werde es mehr Wettbewerb geben, der Druck, eine höhere Wertschöpfung zu erzielen, also innovativ zu sein, werde wachsen.

Das Bundeskartellamt habe signalisiert, eine Bündelung der Milch maximal auf Landesebene zuzulassen. Schumann sieht Zusammenschlüsse eher auf regionaler Ebene. Mit mehreren Liefergemeinschaften soll im Juni ein erster Erfahrungsaustausch stattfinden.

   

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