Der Hamburger Otto-Versand baut seinen Standort in Haldensleben (Börde) aus. Im Gewerbegebiet Südhafen wurde gestern der Grundstein für ein neues Lager gelegt. Das Projekt ist Teil eines im Vorjahr angekündigten Investitionspakets. Es umfasst bis zu 100 Millionen Euro. Rund 360 Arbeitsplätze sollen entstehen. Derzeit arbeiten bei Otto in Haldensleben etwa 1800 Frauen und Männer.

Haldensleben. Nachdem der Otto-Konzern in das Versandzentrum in Haldensleben seit Mitte der 1990er Jahre rund 400 Millionen Euro investiert hat, geht der weltweit zweitgrößte Online-Händler nach Amazon jetzt den nächsten Schritt.

Der Konzern will seine komplette Warenauslieferung in geografisch zentraler Lage – in Haldensleben – bündeln. Dazu werden das bereits bestehende Versandzentrum am Stadtrand erweitert sowie am Mittellandkanal im Südhafen ein 30 000 Quadratmeter großes Lager komplett neu gebaut. Für beide Großprojekte will Otto insgesamt bis zu 100 Millionen Euro aufwenden, 70 Millionen Euro sind bereits gebunden, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Otto-Tochter- gesellschaft Hermes Fulfil- ment GmbH, Dieter Urbanke, gestern bei der Grundsteinlegung für das neue Lager, das unter Hermes-Regie betrieben wird.

"Wachstum im Markt selbst und der Trend nach Geschwindigkeit insbesondere im Online-Handel", sind für Otto die wichtigsten Gründe für das neue Investment in Haldensleben. Otto will seine Kunden möglichst innerhalb von 24 Stunden beliefern können. Zu den Abnehmern gehören neben Unternehmen der Otto-Gruppe externe Kunden wie Seidensticker, Tom Tailor, Fujitsu und Kienzle Uhren.

Die neuerlichen Investitionen sieht Otto als Voraussetzung dafür, dass Engpässe im Wareneingang, im Hochregallager sowie in der Kommissionierung beseitigt und der Warendurchlauf noch einmal deutlich erhöht werden kann.

Im Versandzentrum werden von derzeit rund 1800 Mitarbeitern täglich bis zu 750 000 Artikel abgewickelt und 250 000 Sendungen verladen. Mit den baulichen Erweiterungen verbunden sind rund 360 neue Arbeitsplätze, vorwiegend in Teilzeit in der Kommissionierung und im Versand. Otto ist einer der bedeutendsten Arbeitgeber der Region.

Urbanke nannte das bisherige Engagement des Konzerns in Haldensleben eine Erfolgsgeschichte. Er charakterisierte diese mit den Worten: "ein guter, präziser Start, verbunden mit einer hohen Geschwindigkeit in der Umsetzung unserer Pläne". Und: "Wir fühlen uns hier insbesondere wegen der Menschen wohl." Ein besonderes Lob zollte Urbanke auch dem Wirtschaftsministerium und der Stadt für ihre jederzeit wohlwollende und unbürokratische Begleitung sämtlicher Investitionsprojekte von Otto in Haldensleben.

Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) erwiderte, das Land brauche große Unternehmen, um eine Schwungmasse zu erzeugen, die weitere Investitionen nach sich ziehe und den Standort Sachsen-Anhalt international zunehmend attraktiver mache. Die Otto-Gruppe lege mit ihrer Investition zugleich ein Bekenntnis zum Standort Deutschland und Sachsen-Anhalt ab.

Haldenslebens Bürgermeister Norbert Eichler bezeichnete die Stadt als "gutes Pflaster für Investitionen". Otto habe zum Ausbau des Versandzentrums bereits viermal Ja gesagt: "Das spricht Bände".

Auf dessen "Stammgelände" entstehen in den kommenden Monaten auch noch ein automatisches Retourenlager mit 160 000 Wannenplätzen für zurückgegebene Ware sowie ein 12 000 Quadratmeter großes Palettenlager. Darüber hinaus ist ein sogenanntes Multichannel-Gebäude geplant. Dadurch sollen die unterschiedlichen Otto-Vertriebskanäle Katalog, Internet und Shop mit ihren speziellen logistischen Anforderungen gezielter als bisher berücksichtigt werden können.

Von der Entscheidung, weiter in Haldensleben zu investieren, ist der an Tradition reiche Otto-Standort Hamburg direkt betroffen. Dort wird Urbanke zufolge die Warenauslieferung eingestellt. Dafür werde der Retourenbetrieb von Otto in der Hansestadt konzentriert.

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