Es ist ein wertvoller Rohstoff, der unter den Hammer kommt: Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, will ab dem 12. April in der Zweigstelle der Behörde in Mainz ein dickes Frequenzpaket unter den vier deutschen Handybetreibern versteigern. Breitband für alle, lautet das Motto, das sich Kurth auf die Fahnen geschrieben hat. Das schnelle Internet, in einigen ländlichen Regionen Deutschlands noch ein Fremdwort, soll schon bald für jedermann verfügbar sein.

Bonn/Mainz (dpa). T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 Telefónica scharren bereits mit den Hufen. Denn es geht um ein Frequenzvolumen, das die Herzen der Mobilfunker höher schlagen lässt. 360 Megahertz hat Kurth im Gepäck, das ist mehr, als die Betreiber derzeit überhaupt nutzen. Selbst die spektakuläre UMTS-Versteigerung von vor zehn Jahren wird vom Frequenzumfang her weit in den Schatten gestellt. Für die vier Bieter geht es diesmal vor allem um die Eintrittskarte ins mobile Datengeschäft der Zukunft. Kein Wunder, dass die Branche seit Monaten dem Ereignis entgegenfiebert.

"Unverhoffte Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden", wie Ex-Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) die gut 50 Milliarden Euro Erlöse aus der UMTS-Auktion einst bezeichnete – damit sollte sein Nach-Nachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) diesmal besser nicht kalkulieren. Die Goldgräberstimmung in der Branche ist längst verflogen. Experten erwarten aus der Versteigerung Einnahmen allenfalls im einstelligen Milliarden-Bereich; genannt werden Beträge zwischen fünf und acht Milliarden Euro.

Wie die Unternehmen den Bietprozess gestalten und wie hoch sie die Preise treiben können, darüber herrscht allgemeines Stillschweigen. Das gilt besonders für Spektren aus dem Bereich 800 Megahertz, die heiß begehrt sind. Sie sollen zuerst genutzt werden, so die Vorgaben der Bundesnetzagentur, um das schnelle Internet auf dem Land zügig auszubauen. Dieses Frequenzpaket wird auch als digitale Dividende bezeichnet, die durch die Umstellung des Rundfunks auf die Digitaltechnik frei geworden ist.

Der ökonomische Vorteil für die Mobilfunker liegt auf der Hand: Funkwellen aus diesem Bereich breiten sich besser aus als Frequenzen bei 1,8 oder 2,6 Gigahertz, die ebenfalls in die Auktion kommen. Das heißt, die Unternehmen können an Kosten für die Netzinfrastruktur sparen. So sind zum Beispiel weniger Funkmasten nötig, um Haushalte ins Netz zu bringen.

Mit stolzgeschwellter Brust steht Chefauktionator Kurth da, wenn es um "seine Versteigerung" geht, wie es ihm ab und zu rausrutscht. Immerhin sei Deutschland das erste Land in Europa, das ein so großes Frequenzpaket versteigere. Im Jahr 2000 bei der UMTS-Auktion hatten die Briten die Nase vorn. Jetzt gebe Deutschland den Takt vor.

Dafür hat der 57-jährige Jurist Kurth heftig gestritten. Monatelang verhandelten Bund, Länder und Rundfunkanstalten über die Freigabe der Frequenzen aus der digitalen Dividende. Als er dann die Auktionsregeln ankündigte, hagelte es Klagen – unter anderem von den beiden Mobilfunkbetreibern E-Plus und O2.

Beide Unternehmen befürchten Nachteile, weil bei der digitalen Dividende voraussichtlich nur drei Unternehmen zum Zuge kommen werden. Rundfunkanstalten und Kabelnetzbetreiber klagen, weil sie mit Störungen von Endgeräten rechnen. Aber Kurth nimmt es gelassen: "Die Restrisiken sind nicht dramatisch."

So oder so wird die Auktion allein schon angesichts der Menge von Frequenzen eine Herausforderung: Alle 41 Frequenzblöcke kommen gleichzeitig auf den Tisch. Die Unternehmen feilen schon fieberhaft an Strategien. Absprachen untereinander sind nicht erlaubt und können zum Ausschluss führen. "Kein Interview", wiegelt ein E-Plus-Sprecher ab. Über die Auktion will Mobilfunkchef Torsten Dirks nicht sprechen.

Beobachter schließen nicht aus, das sich die Versteigerung über mehrere Wochen hinziehen kann. Nach Auktionsende soll der Ausbau zügig voranschreiten. Verzögerungen erwartet Kurth dabei nicht mehr, denn: "Die Anbieter haben ein Eigeninteresse, der Erste im Markt zu sein." Meinung