Die Felder in Sachsen-Anhalt werden für die nächste Ernte bestellt. Zuckerrübensaat und Kartoffeln kommen in die Erde, auch der Mais ist bald an der Reihe. Indessen haben Wintergetreide und Winterraps die kalte Jahreszeit überwiegend gut überstanden.

Magdeburg. "Die Flächen werden zügig gedüngt und bestellt, Kartoffeln und Zuckerrüben sind im Wesentlichen im Boden", sagte gestern Wolfgang Beer, Vorsitzender des Ausschusses Pflanzenproduktion beim Landesbauernverband Sachsen-Anhalt. "Die Betriebe haben tüchtig aufgeholt." Probleme gebe es unter anderem in den Bodeniederungen, wo zum Teil noch Wasser auf den Feldern steht und der Boden nicht befahrbar ist. Auch in anderen Regionen gebe es einzelne Flächen, die noch nicht abgetrocknet sind, berichtete Beer. Sein Unternehmen, die Gerbstedter Agrar GmbH (Mansfeld-Südharz), hat gestern die letzten Zuckerrüben gedrillt. Der Marktfruchtbetrieb bewirtschafte rund 1800 Hektar, sagte der Geschäftsführer.

Bei Agro Bördegrün in Niederndodeleben bei Magdeburg ist die Frühjahrsbestellung in vollem Gange: Die Hälfte der Zuckerrübenflächen sind bestellt, "am Wochenende, spätestens Anfang nächste Woche sind wir fertig", berichtete gestern Eric Krull, Leiter Pflanzenproduktion. Insgesamt 500 Hektar sind für die Hackfrucht vorgesehen.

Anschließend kommt auf 450 Hektar Mais in den Boden. Wenn das Wetter passt, soll das bis Ende April geschafft sein. Doch zuvor werden auf den künftigen Maisflächen Gärreste aus der Biogasanlage ausgebracht, um den Acker mit an Nährstoffen reicher organischer Substanz zu versorgen.

Die Winterkulturen Raps (450 Hektar) und Weizen (1200 Hektar) seien insgesamt gut durch die kalte Jahreszeit gekommen, schätzte Krull ein. Diese Weizenbestände werden derzeit mit Pflanzenschutzmitteln inklusive Wachstumsregler versorgt.

Außerdem müssen die Landwirte die Entwicklung der Schädlingspopulationen wie den Rapsglanzkäfer im Auge behalten oder beim Weizen den Getreidelaufkäfer. Dessen Larven fressen im Herbst an den Keimlingen von auflaufendem Getreide, stellen im Winter meist die Nahrungsaufnahme ein, um dann im Frühjahr ganze Blätter und Triebe zu zerbeißen. Bei starkem Befall können sie massive Schäden auf den Feldern verursachen.

Auch Mäuse haben den Winter unter dem Schnee gut überstanden, allerdings seien ihnen teilweise die anschließende Nässe und erneute Fröste nicht so gut bekommen, so Krull. Problematisch sei, dass die Nager kaum bekämpft werden könnten. Mit der Legeflinte Köder in jedem Mauseloch zu platzieren, sei auf so großen Flächen nicht machbar. Auch Greifvögel könnten nur so lange erfolgreich Jagd auf die Nager machen, wie die Pflanzenbestände noch niedrig seien.

Krull verfolgt täglich die Wetterberichte. "Die kalten Nächte sind nicht so günstig, bei Wärme wirken die Pflanzenschutzmittel besser", erklärte er. Auch für den Winterraps (450 Hektar), der in der nächsten Woche zu blühen beginnen dürfte, seien Nachtfröste eher von Nachteil. Die Pflanzen befänden sich in der Streckungsphase und hätten viel Wasser eingelagert. Bei Frost könnten Zellen platzen und Angriffsfläche für Pilzinfektionen bieten, erklärte Krull.

Auch das Wachstum werde durch die kühle Witterung gebremst, ergänzte Wolfgang Beer, es sei aber insgesamt eine gute, stabile Jugendentwicklung zu erwarten. Auch Beer schätzt ein, dass die Winterkulturen die lange frostige Zeit insgesamt gut verkraftet haben. Einschränkungen machte er für Weizenfelder, die nach der Zuckerrübenernte und wegen Nässe im vergangenen Herbst erst spät bestellt werden konnten. Dort hätten sich die Pflanzen relativ wenig bestockt. Die geringere Anzahl von Trieben könnten die Pflanzen teilweise mit größeren Ähren kompensieren, so Beer, "die Ertragserwartung fällt auf den betreffenden Standorten aber erst einmal geringer aus", erklärte Beer.