Sachsen-Anhalts Wirtschaft sieht sich auf Erholungskurs. Das ergaben die gestern veröffentlichten Unternehmensumfragen der Industrie- und Handelskammern (IHK) Magdeburg und Halle-Dessau. Aus der Industrie werden steigende Auftragseingänge vor allem im Investitionsgüterbereich gemeldet. Die Exporterwartungen sind gestiegen.

Magdeburg. "Sachsen-Anhalt ist glimpflich durch die Krise gekommen", so das Fazit des Magdeburger IHK-Präsidenten Klaus Olbricht. Wie die Umfrage unter 1000 Unternehmen im Norden des Landes für das erste Quartal 2010 ergab, verbessern sich Auftragseingänge und Exporterwartungen. In vielen Branchen steigt die Investitionsbereitschaft. Was während der globalen Wirtschaftskrise liegengeblieben war, wird jetzt nachgeholt.

Wegen des geringeren Exportanteils – 2008 lag er im Kammerbezirk Magdeburg bei 33 Prozent, in Deutschland insgesamt bei 46 Prozent – war Sachsen-Anhalt weniger stark von der Krise betroffen, dafür gehe es nun aber auch langsamer als in anderen Bundesländern wieder nach oben, bemerkte Olbricht. Eine Prognose, wie lange es dauern wird, bis die Bruttowertschöpfung wieder auf dem Niveau ankommt, das kurz vor Krisenbeginn erreicht worden war, wagte der IHK-Präsident nicht. "Die Unternehmen haben wieder zu tun, aber die volle Auslastung ist längst nicht erreicht.

Das positive Quartalsergebnis sei erwartungsgetrieben, denn die Lagebewertungen seien noch nicht so günstig ausgefallen, sagte Sven Horn, Geschäftsführer für den Bereich Industrie, Umwelt und Konjunktur. "Das schlimmste ist vorbei. Das Umfeld erscheint wieder sicherer."

Der Geschäftsklimaindex für den Kammerbezirk Magdeburg hat erstmals seit dem Beginn der globalen Krise wieder die 100-Punkte-Marke überschritten, wie Olbricht feststellte. Der Index setzt sich aus Lagebewertung und Erwartungen zusammen und kletterte im ersten Quartal 2010 auf 105 von 200 möglichen Punkten.

Auch im IHK-Bezirk Halle-Dessau haben sich aktuelle Lage und Aussichten deutlich verbessert, wie die Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Ursache für den Aufschwung im Süden und Osten des Landes sei vor allem die Belebung des Exportgeschäfts. "Die Unternehmen atmen durch und erwarten zudem weitere Zuwächse", sagte der Ge- schäftsführer der IHK Halle-Dessau, Thomas Brockmeier. "Es dürfte aber eine geraume Zeit dauern, bis die Rückschläge des Jahres 2009 aufgeholt sein werden." Schwierig sei im Landessüden die Lage in der Baubranche, die wegen des harten Winters geringere Umsätze und Gewinne verbuchte.

Dagegen meldete die Baubranche im Norden Sachsen-Anhalts ein deutliches Auftragsplus. 45 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von Zuwächsen. Sowohl die Geschäftslage als auch die Zukunftsaussichten werden wieder positiver bewertet.

Der Einzelhandel verspürt eine anziehende Konsumneigung der Verbraucher, die Beschäftigungsprognosen für die Region lassen kurz- und mittelfristig auch keine größeren Kaufkraftverluste erwarten. Dagegen trübt sich die Stimmungslage im Gastgewerbe deutlich ein. Sowohl Beherbergungsunternehmer als auch Restaurantbetreiber berichten überwiegend von gesunkenen Umsätzen. Immerhin erwarten aber 46 Prozent der Befragten eine Verbesserung der Geschäfte. Stagnierende Auftragseingänge und teilweise Umsatzrückgänge werden aus der Dienstleistungsbranche gemeldet. Aber auch hier wird eine positivere Entwicklung erwartet.

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