"Nach dem historischen Konjunktureinbruch im vergangenen Jahr geht es 2010 mit der Wirtschaft in Deutschland wieder bergauf." Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturanalyse der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB). Und: Sachsen-Anhalt werde am Aufschwung teilhaben.

Magdeburg. Die Volkswirte der Norddeutschen Landesbank gehen davon aus, dass das für die wirtschaftliche Gesamtleistung einer Region stehende Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland in diesem Jahr um 1,6 Prozent steigen wird. Für Sachsen-Anhalt rechnet der Chefvolkswirt der Nord/LB, Torsten Windels, mit einem Wirtschaftswachstum auf ähnlichem Niveau von plus 1,5 Prozent. Im vergangenen Jahr war das BIP in Sachsen-Anhalt wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise noch um 4,7 Prozent zurückgegangen.

"2009 war die Wirtschaftsleistung in Sachsen-Anhalt tiefer gefallen als der Durchschnitt der neuen Bundesländer. In diesem Jahr wiederum wird sie dynamischer nach oben laufen", sagte Windels gestern in Magdeburg bei der Vorstellung der wirtschaftlichen Vorausschau seines Hauses. Die Nord/LB ist auch Landesbank für Sachsen-Anhalt.

Windels zufolge sei zwar davon auszugehen, dass der private Konsum in diesem Jahr durch Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und eine schwache Tariflohnentwicklung belastet werde. Auch die bundesweit weiterhin niedrige Kapazitätsauslastung der Industrie lasse lediglich eine verhaltene Investitionsdynamik erwarten. Überkompensiert werde dies allerdings von der wieder wachsenden Nachfrage auf dem Weltmarkt, die die deutschen Exporte beflügeln werde, erläuterte Windels. "Auch wenn die Industrie in Sachsen-Anhalt vergleichsweise weniger ausfuhrorientiert ist: Das Land wird dennoch am Aufschwung teilhaben, weil die Vielzahl der hiesigen Vorleistungsbetriebe vom Anspringen des Welthandels profitiert", betonte der Chefvolkswirt.

Im vergangenen Jahr habe hauptsächlich der stark von der Metallerzeugung und -bearbeitung geprägte industrielle Sektor, dessen Wertschöpfung gegenüber 2008 um 16 Prozent zurückgegangen sei, Federn lassen müssen. "Die Krise hat die Industrie in Sachsen-Anhalt empfindlich getroffen, aber so, dass sie damit umgehen kann", kommentierte Nord/LB-Vorstandsmitglied Hinrich Holm. Teilweise müsse sie sich wie etwa im Fall der von Absatzrückgängen und Förderkürzungen betroffenen Solarbranche "neu erfinden".

Holm, der für das Sachsen-Anhalt-Geschäft der Nord/LB verantwortlich zeichnet, sieht das Bundesland alles in allem unter anderem auch wegen des hierzulande intakten Finanzsystems, das eine Kreditklemme bisher nicht habe entstehen lassen, "gut aufgestellt".

Gegen Ende vergangenen Jahres habe sich die wirtschaftliche Lage in Sachsen-Anhalt zunehmend entspannt, fuhr Windels fort: "Im Herbst zeigten die Auftragseingänge der sachsen-anhaltischen Industrie wieder nach oben, im Dezember lagen die Industrieumsätze sogar leicht über denen des Vorjahresmonats." Diese "spürbare Erholung" habe sich auch zu Beginn des laufenden Jahres fortgesetzt. In jeder zweiten Branche sei die Umsatzentwicklung im Januar positiv gewesen, erklärte Windels.

Diese Aussage wurde vom Leiter Unternehmensentwicklung der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, Stefan Töbermann, gestützt. Das Investitionsinteresse sei "ungebrochen". Im ersten Quartal sei in der Wirtschaft insgesamt ein guter Auftragseingang feststellbar.

Die Nord/LB geht davon aus, dass das (Vorkrisen-)Wirtschaftsniveau des Jahres 2008 in etwa Ende 2012, Anfang 2013 wieder erreicht werden könnte. Auf dem Arbeitsmarkt sei in den kommenden Monaten ein Beschäftigtenaufbau nicht auszuschließen. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum liege oberhalb der Ein-Prozent-Schwelle, ab der Arbeitsplätze geschaffen würden.

Die Nord/LB ist mit zentralen Standorten in Hannover, Braunschweig und Magdeburg sowie mit mehr als 5000 Mitarbeitern die führende Geschäftsbank im Norden Deutschlands. Eigentümer sind neben dem Land Niedersachsen der Sparkassenverband Niedersachsen, das Land Sachsen-Anhalt, der Sparkassenbeteiligungsverband Sachsen-Anhalt und der Sparkassenbeteiligungszweckverband Mecklenburg-Vorpommern. Meinung