Im deutschen Schiffbau geht heute eine Epoche zu Ende. Die Sietas-Werft liefert ihr 393. und letztes Containerschiff aus, die MS Elysee. Käufer des 168 Meter langen Schiffs ist die niederländische Reederei JR Shipping Group, die ihren neuen Frachter auf dem Werftgelände des zweiten traditionsreichen Hamburger Schiffbauers Blohm + Voss übernimmt. Dort werden letzte Arbeiten vorgenommen.

Hamburg ( dpa ). In Hamburg wird wohl niemals mehr ein Containerschiff gebaut werden, bald vielleicht auch in ganz Deutschland nicht. Die ThyssenKrupp-Werften, zu denen auch Blohm + Voss zählt, haben sich ganz aus dem Handelsschiffbau zurückgezogen. Die Sietas-Werft ist nicht irgendeine Werft, sondern der Pionier und langjährige Marktführer für kleinere Containerschiffe.

Auf dem Werftgelände nahe der Mündung des Flüsschens Este in die Elbe lief 1966 die Bell Vanguard vom Stapel, das erste deutsche Schiff, das speziell für den Transport von Containern konstruiert wurde. Das Küstenschiff konnte 67 der Boxen transportieren, die sich gerade anschickten, den Welthandel zu revolutionieren. Die MS Elysee, das letzte Sietas-Containerschiff, ist für 1061 Standardcontainer ( TEU ) ausgelegt. Eine typische Größe für sogenannte Feederschiffe, die von den Großhäfen die Container weiter verteilen in kleinere Ports und entlegenere Gebiete.

Die Wirtschaftskrise und der damit verbundene Rückgang des Welthandels haben die Werften weltweit getroffen. Die Nachfrage nach Schiffsraum geht drastisch zurück ; in diesem Jahr vermutlich um 20 Prozent oder mehr. Gleichzeitig werden viele Containerschiffe fertig, die noch zu Zeiten des Containerbooms zu hohen Preisen bestellt wurden. Die Reeder versuchen, aus den Bauverträgen herauszukommen, Bestellungen zu stornieren oder zu verschieben, aber das ist oft nicht so einfach. So vergrößern die Neubauten bereits bestehende Überkapazitäten.

Neue Containerschiffe braucht jedenfalls niemand, heute nicht und auch nicht in den nächsten Jahren. Noch stehen 20 Containerfrachter in den Auftragsbüchern deutscher Werften, aber ob alle ausgeliefert werden, ist nicht sicher. Danach ist erst mal Schluss. " Deutsche Werften haben seit einem Jahr keinen Auftrag für Containerschiffe mehr bekommen ", sagt Gerhard Carlsson vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik ( VSM ) in Hamburg. Er will nicht ausschließen, dass vielleicht in einigen Jahren wieder einmal ein Auftrag kommt, aber gewiss ist das nicht. Vielleicht zieht der Markt für kleine Containerschiffe wieder einmal an ; die Containerriesen für 10 000 oder noch mehr Boxen werden ohnehin in Korea gebaut.

Der Bau von Containerschiffen hat zeitweise mehr als die Hälfte des deutschen Schiffbaus ausgelastet. Doch schon seit einigen Jahren haben sich die Werften verstärkt um Spezialaufträge bemüht. So bauen sie jetzt Schwimmbagger oder Offshore-Versorger, Patrouillenboote, Schlepper, Fähren oder Megajachten. Auch Sietas unter seinem Chef Rüdiger Fuchs, dem ersten familienfremden Manager seit 374 Jahren, geht diesen Weg und setzt auf den Bau von Schwergutschiffen und Doppelendfähren. " Neue Schiffsentwicklungen, eine stärkere Spezialisierung und kürzere Bauzeiten werden für neue Aufträge und bessere Wirtschaftlichkeit sorgen ", hofft Besitzer Hinrich Sietas.