Zwölf Prozent vom Umsatz fließen in Forschung und Entwicklung, mehr als 200 Millionen Euro wurden seit der Privatisierung 1993 in die Produktionsstätte investiert. Damit hat das Impfstoffwerk Dessau-Tornau IDT Biologika die Grundlage für ein solides Wachstum gelegt. In diesem Jahr will der Pharma- und Biotechspezialist beim Umsatz die 100-Millionen-Euro-Marke knacken. 2008 wurden 80 Millionen Euro umgesetzt.

Dessau-Roßau. Die Tollwut beim Fuchs gilt in Deutschland seit einem Jahr als ausgerottet – dank der Impfköder von IDT, die nach einem ausgeklügelten computergestützten System und mit Hilfe von Fliegerstaffeln in Feld und Flur verteilt worden sind. Jetzt unterstützen die Dessauer das Nachbarland Polen beim Kampf gegen die gefährliche Virusinfektion, wie Geschäftsführer Ralf Pfirmann berichtete.

Ihre reichen Erfahrungen bei der Impfköderproduktion nutzen die Spezialisten nun auch im Kampf gegen das Ebolavirus, das über Affen auf den Menschen übertragen wird. Beim Erkrankten löst es hohes Fieber und Blutungen in inneren Organen aus – die Krankheit verläuft meist tödlich.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft in Leipzig und des Robert-Koch-Instituts in Berlin suchen die Dessauer nach Möglichkeiten, wild lebende Gorillas mit Hilfe von Impfködern gegen Ebola zu immunisieren. Bunt und süß muss die " Verpackung " für die Schluckimpfung sein, das haben die Tests ( ohne Impfstoff ) mit Gorillas im Leipziger Zoo gezeigt. Dort wurden die Köder sehr gut angenommen, wie Chef-Veterinär Hans-Joachim Selbitz erzählte. Ob die Menschenaffen in Afrikas freier Wildbahn diese Vorliebe teilen und wie die Köder in deren Revieren zielführend verteilt werden können, werde als nächstes ergründet, so der Professor.

An der Ziellinie stehen die Dessauer mit einem Impfstoff gegen Schweine-Influenza, nicht zu verwechseln mit der sogenannten Schweinegrippe, die derzeit in der Bevölkerung kursiert und diesen Namen nicht verdient, wie Selbitz anmerkte. IDT Biologika habe als erster Hersteller einen Impfstoff im zentralen Zulassungsverfahren für die Europäische Union, und es sei der erste Impfstoff, der gegen alle drei auftretenden Erregerstämme immunisiert. Pfirmann erwartet, dass die Vermarktung im Januar / Februar beginnen kann. Die mit Ausnahmegenehmigungen ausgegebenen Impfstoffe seien den Dessauern von Züchtern regelrecht aus den Händen gerissen worden.

Für die Tests hält das Impfstoffwerk insgesamt 700 Schweine, darunter 100 Zuchtsauen. Geimpfte und nicht geimpfte Tiere werden den Krankheitserregern unter Quarantäne ausgesetzt, um die Wirksamkeit des Impfstoffes festzustellen. Außerdem werden bei IDT Mäuse, Ratten, Stinktiere, Füchse und einige Rinder gehalten.

Die Sparte Tiergesundheit bezeichnete Pfirmann als das Rückgrat des zur Klocke-Gruppe gehörenden Unternehmens. Humanimpfstoffe und Pharmazeutika sind zwei weitere Säulen. Ende Januar hat das Dessauer Unternehmen eine Verpackungslinie für sterile, flüssige Darreichungsformen in Betrieb genommen. Bis zu 30 Millionen Spritzen jährlich können mit der fast vollautomatisch laufenden Linie verpackt werden. 3, 5 Millionen Euro wurden investiert. Insgesamt sollen bis Jahresende 14, 59 Millionen Euro für Forschung, Entwicklung und Produktionstechnik ausgegeben werden. Die Investitionen seit der Privatisierung 1993 summieren sich auf mehr als 200 Millionen Euro.

Die Mitarbeiterzahl ist auf 750 angewachsen. Allein in diesem Jahr hat IDT 110 neue Stellen geschaffen. Elf Lehrlinge haben ihre Ausbildung begonnen. Weitere Fachkräfte werden gesucht. Die Auftragslage ist laut Pfirmann bis Ende 2010 zu gut zwei Dritteln " solide abschätzbar ". " Einige Aufträge reichen bis ins Jahr 2013 hinein. "