Essen ( ddp ). Wenige Tage vor der Gläubigerversammlung bei der insolventen Warenhauskette Karstadt haben die Gewerkschaft Verdi sowie die Unternehmensleitung und die Insolvenzverwaltung einen Durchbruch bei den Verhandlungen über den Sanierungsbeitrag der Belegschaft erzielt. Man habe eine Eckpunktevereinbarung über einen Sanierungs-Tarifvertrag erreicht, sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß in Essen.

Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass die derzeit noch rund 30 000 Karstadt-Beschäftigten über einen Zeitraum von drei Jahren einen Beitrag von insgesamt rund 150 Millionen Euro einbringen. Dies soll vor allem durch die Streichung des Urlaubsgeldes sowie die Streichung des Weihnachtsgeldes um 75 Prozent erreicht werden.

Laut Haß wurde vereinbart, dass die Jobs bei Karstadt so weit als möglich erhalten bleiben. Bei 17 Karstadt-Häusern werde jedoch überprüft, ob eine Fortführung des Geschäftsbetriebs möglich ist. Derzeit gibt es 126 Karstadt-Warenhäuser und -Sporthäuser. Heute muss noch die Große Tarifkommission von Verdi über die Vereinbarung befinden. Mit einer Zustimmung wird gerechnet. Anschließend soll über nähere Details der Vereinbarung beraten werden.

Der Sanierungsbeitrag der Karstadt-Mitarbeiter gilt als Voraussetzung dafür, dass der Insolvenzverwalter des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, morgen auf der Karstadt-Gläubigerversammlung ein mit allen Seiten abgestimmtes Sanierungskonzept vorlegen kann. Dieses wiederum gilt als Bedingung für die erfolgreiche Suche nach einem Investor.

Erst im Vorjahr hatte die Karstadt-Belegschaft einen weiteren Sanierungs-Tarifvertrag für das seit Jahren angeschlagene Unternehmen akzeptiert. Damals hatte man sich unter anderem auf eine bedingte Job-Garantie verständigt.

Laut einem Bericht der " Wirtschaftswoche " sollen höchstens zehn Karstadt-Waren- und Sporthäuser geschlossen werden. Das Immobilien-Konsortium Highstreet, das zuletzt Mieteinnahmen von rund 277 Millionen Euro von Karstadt erhielt, sei zu Zugeständnissen bereit.