Die Überschuldung von Verbrauchern ist in Deutschland bereits im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen. Das stellt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrer Analyse SchuldnerAtlas Deutschland 2009 fest. In Sachsen-Anhalt ist die Schuldnerquote zwar vergleichsweise hoch, aber seit 2007 ist die Überschuldung deutlich gesunken.

Magdeburg. Die niedrigsten Schuldnerquoten werden für Bayern und Baden-Württemberg vermeldet : In den beiden Bundesländern mit der geringsten Arbeitslosigkeit sind 6, 72 beziehungsweise 7, 11 Prozent der über 18-jährigen Einwohner überschuldet. Am Ende der Statistik finden sich Bremen ( 13, 92 Prozent ), Berlin ( 12, 16 Prozent ) und Sachsen-Anhalt ( 11, 05 Prozent ), wobei sich Berlin und Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich verbesserten. In Sachsen-Anhalt sind nach Angaben von Creditreform gegenwärtig 230 000 Frauen und Männer überschuldet. Die Quote verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 1, 35 Prozentpunkte.

Vor einem Jahr sei mit dieser positiven Entwicklung in Sachsen-Anhalt noch nicht zu rechnen gewesen, schätzte Timo Harland, Geschäftsführer von Creditreform Magdeburg, ein. " Es zeigt sich wieder einmal, dass die Überschuldungssituation der Verbraucher in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zur Arbeitslosigkeit steht. Und immerhin verzeichnet Sachsen-Anhalt in diesem Jahr die geringste Oktober-Arbeitslosigkeit seit 1991. " Ob der positive Trend anhalte, werde stark von der wirtschaftlichen Entwicklung und den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen abhängen.

Überraschend sei auch, so Harland, dass die Überschuldungsquote in den neuen Bundesländern ( ohne Berlin ) in diesem Jahr erstmals etwas niedriger ausfällt als in den alten Bundesländern. So sind im Osten 9, 08 Prozent der Einwohner über 18 Jahre in nachhaltigen Zahlungsschwierigkeiten ( Vorjahr : 10, 3 Prozent ). 1, 02 Millionen Ostdeutsche gelten als überschuldet. Im Westen Deutschlands sind 9, 1 Prozent der über 18-Jährigen betroffen ( Vorjahr : 10, 7 Prozent ), insgesamt waren das 5, 17 Millionen Frauen und Männer.

Im Durchschnitt stehen überschuldete Personen mit 36 900 Euro in der Kreide. Dabei ist die durchschnittliche Schuldenhöhe der privaten Haushalte in den alten Bundesländern deutlich höher als in den neuen Bundesländern, stellt Creditreform fest. Ein unsicherer Arbeitsmarkt und eine stärker ausgeprägte Einkommensarmut drücke jedoch die Außenstände nach oben, zumal sich Lebensrealitäten und Komsumgewohnheiten weiter annäherten.

Zu veränderten Lebensrealitäten gehört es auch, dass zunehmend Ratenkredite in Anspruch genommen werden, um den Kauf von Möbeln oder Heimelektronik zu finanzieren. Bei Arbeitslosigkeit bergen sie schnell das Risiko der Überschuldung, urteilt Creditreform. In diesem Jahr summieren sich Ratenkredite auf 137 Milliarden Euro ( 5 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr ).

Insgesamt drückt die Schuldner in Deutschland eine Last von 228 Milliarden Euro – 43 Milliarden Euro weniger als im Jahr 2007. Während unter den 30- bis 60-Jährigen in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Schuldner deutlich zurückgegangen ist ( um 620 000 ), verschulden sich junge Leute sehr viel stärker. 128 000 unter 20-Jährige können laut Creditreform ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen, das sind 75 000 mehr als vor fünf Jahren. Bei den 20- bis 29-Jährigen wuchs die Schuldnerzahl um fast eine Viertelmillion auf 1, 212 Millionen.

Große Städte sind stärker von der Überschuldung ihrer Einwohner betroffen als ländliche Regionen. So weisen in Sachsen-Anhalt die Städte Dessau-Roßlau, Magdeburg und Halle die höchsten Überschuldungsquoten auf, sie konnten aber auch die stärksten Rückgänge verbuchen.