Rüsselsheim ( dpa ). Machtkampf um die Zukunft von Opel : Während tausende von Beschäftigten des Autobauers gegen die befürchteten Einschnitte protestieren, gibt sich die alte und neue Mutter General Motors ( GM ) selbstbewusst. Die deutsche Politik und der Opel-Betriebsrat bringen sich derweil nach dem Scheitern des Magna-Deals für Verhandlungen um Arbeitsplätze und Staatshilfen in Stellung.

Mehrere tausend Opel-Beschäftigte machten gestern an allen vier deutschen Standorten ihrem Unmut wegen befürchteter Massenentlassungen Luft. Der ungeliebte US-Konzern drohte der Belegschaft schon offen mit Insolvenz, sollten die Betriebsräte nicht zu Zugeständnissen bereit sein. Und GM ist sich der Staatshilfe aus Deutschland und den anderen europäischen Opel-Ländern sicher : " Wenn sie den Magna-Plan mögen, mögen sie auch den GM-Plan ", sagte Vize-Präsident John Smith.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) hält das Verhältnis zu den USA trotz der Kehrtwende von General Motors ( GM ) bei Opel nicht für beeinträchtigt. Merkel machte gestern nach einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama deutlich, der Präsident habe sie nicht absichtlich in Unkenntnis über den geplatzten Opel Verkauf gelassen. " Das Gespräch mit US-Präsident Obama hat mir gezeigt, dass auch er von der Wende bei General Motors nichts gewusst hat ", sagte Merkel der " Bild " -Zeitung. " Bei allen Fragen, die sich jetzt stellen, werden wir sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten. "

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz forderte vor knapp 10 000 Beschäftigten am Opel-Stammwerk in Rüsselsheim mehr Eigenständigkeit für den Autobauer unter dem Dach von GM. Das GM-Sanierungskonzept für Opel vom Mai 2009, auf dem der US-Konzern seinen neuen Restrukturierungsplan aufbauen will, lehnte Franz ab. Danach sollten drei Werke geschlossen werden. GM kündigte aber bereits an, dass Bochum möglicherweise überleben könne. Hingegen droht dem Werk in Eisenach weiter eine zweijährige Stilllegung, das Werk im belgischen Antwerpen steht vor dem Aus. In Deutschland arbeiten mehr als 25 000 Menschen für Opel. Nach Smiths Darstellung ist die Sorge über Massenentlassungen unbegründet. GM wolle rund 10 000 der insgesamt gut 50 000 Opel-Arbeitsplätze in Europa streichen. Das wären in etwa genauso viele wie von Magna vorgesehen.

GM will den Plan möglichst bald ausarbeiten und den europäischen Regierungen und den Betriebsräten vorlegen. Smith sagte : " Ich bin hoffnungsfroh, dass die Bundesregierung unseren Plan, wenn sie ihn gesehen hat, gut finden und uns genauso unterstützen wird wie die Regierungen aus Spanien, Polen und Großbritannien. " Sollte Deutschland die Unterstützung verweigern, müsse GM einen " Plan B " ziehen. Meinung