Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist auch an der Tangerhütter Traditionsgießerei TechnoGuss nicht spurlos vorbeigegangen. Ursprüngliche Pläne für den Bau einer neuen Gießerei für Großgussteile von bis zu 20 Tonnen Gewicht sind zurückgestellt worden. Dennoch schaut das Unternehmen vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

Tangerhütte. Die Jahre stetig steigender Gusstonnagen sind in der Tangerhütter TechnoGuss-Gießerei wie auch in der gesamten Branche zunächst einmal vorbei. Wurden vor zwei Jahren in Tangerhütte noch 13 000 Tonnen gegossen, ist diese Menge aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise auf nunmehr 10 000 Jahrestonnen abgeschmolzen. Dies ist auch der Grund dafür, dass die ursprünglichen Pläne für den Bau einer komplett neuen Gießerei für Gussteile von bis zu 20 Tonnen Gewicht auf Eis gelegt sind, berichtet Geschäftsführer Rüdiger Schulz im Volksstimme-Gespräch. "Für uns kommt es darauf an, zunächst die vorhandenen Kapazitäten zu nutzen." Die monatliche Auslastung der 1842 als "Eisenhütten- und Emaillierwerk Tangerhütte" gegründeten Gießerei liege bei derzeit 60 bis 70 Prozent. Teilweise wird kurzgearbeitet.

Spezialisiert ist die Eisengießerei unter anderem auf die Fertigung von bis zu zwölf Tonnen schweren Einzelteilen wie Seiltrommeln für Krane, Getriebegehäuse für Windkraftanlagen und Großarmaturen etwa für Meerwasserentsalzungsanlagen. Der Markt für diese Produkte sei aber nicht zusammengebrochen, betont Schulz. Für die Gießerei komme es darauf an, sich verändernden Bedingungen anzupassen. So würden Kunden nicht mehr wie in den Boomjahren vor 2008 Aufträge langfristig nach Tangerhütte vergeben, um sich so Gusskapazitäten zu sichern. Bestellungen würden zunehmend kurzfristig ausgelöst.

"Darauf müssen wir flexibel reagieren", zeigt Schulz die neuen Anforderungen an die 170-köpfige Belegschaft auf. "Für uns geht es darum, Liquidität zu sichern, näher an den Kunden heranzurücken und unsere Mitarbeiter zu qualifizieren", sagt der Geschäftsführer auch mit Blick auf die mehr als 20 Lehrlinge im Unternehmen.

Trotz mancher Widrigkeit in den vergangenen Monaten will man sich die Zuversicht auf wieder bessere Tage nicht nehmen lassen. "Wir blicken vorsichtig optimistisch nach vorn", sagt Schulz. So habe sich der Auftragseingang in den vergangenen sechs Monaten gegenüber dem halben Jahr zuvor gebessert. Auch sei bisher kein Kunde aus dem Maschinenbau abgesprungen. Das seien gute Signale.

Obwohl vorerst keine neue Gießerei gebaut wird, werde TechnoGuss auch in den kommenden Monaten investieren, betont Schulz. Nach der bald abgeschlossenen, 1,5 Millionen Euro teuren Erweiterung der Kernformerei für Großgussteile stehe die Modernisierung der Auslehrstation im Großguss (eine Million Euro) im Mittelpunkt künftiger Aktivitäten. Außerdem soll das Rohstofflager für Stahlschrott und Roheisen in eine neue Halle umziehen.