Vor zwei Wochen haben Handelsketten die Preise für Trinkmilch leicht angehoben, jetzt wird das halbe Pfund Deutsche Markenbutter bei einigen Discountern und Supermarktbetreibern um 20 Cent teurer. Was bei den Milcherzeugern ankommt, werden sie erst im nächsten Monat auf ihren Konten sehen. Noch decken die Erzeugerpreise nicht die Kosten.

Magdeburg. Was ein kostendeckender Erzeugerpreis ist, das ist für jeden Betrieb unterschiedlich je nach Größe und Struktur. Ein entscheidendender Faktor sind die Futterkosten, erklärte Frank Wiese, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Lückstedt (Altmark). Das Unternehmen, das sich auf die drei Säulen Ackerbau, Schweinehaltung und Milcherzeugung stützt, produziert den Großteil des Grundfutters selbst. Die 26 Cent Grundpreis, die das Unternehmen derzeit für den Liter Rohmilch erhalte, seien dennoch nicht kostendeckend.

Die minimalen Erhöhungen von durchschnittlich 2,5 Cent je Liter Milch, die zwischen Molkereiwirtschaft und Discountern im Konsummilchbereich ausgehandelt wurden, seien "kein vernünftiges Ergebnis", so Wiese. "Die Molkereien haben fast alle ausgeglichene Ergebnisse, ich sehe keinen Grund, warum die Rohmilchpreise nicht einigermaßen vernünftige Größenordnungen erreichen sollten."

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) stuft das Ergebnis der Preisverhandlungen zwischen Molkereien und Discountern als "völlig unbefriedigend" ein. Den Molkereien sei es bisher nicht gelungen, die positiven Signale der Weltmärkte und der europäischen Märkte in entsprechende Preiserhöhungen umzusetzen, teilte der BDM mit.

Ein Problem liege im Mengendruck auf dem nationalen Milchmarkt. Während sich auf den internationalen Märkten bei sinkendem Milchaufkommen ein positives Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage eingestellt habe, sei die Milchproduktion in Deutschland ausgeweitet worden. Hinzu komme die schwache Marktstellung der Milcherzeuger. Da die Molkereien den Preisdruck an die Milcherzeuger weitergeben könnten, sei deren Erfolgsdruck bei den Preisverhandlungen mit dem Handel gering.

Jürgen Meenken vom BDM-Team Sachsen-Anhalt und Milchviehhalter aus Langenstein bei Halberstadt, hält große Erzeugergemeinschaften für notwendig. "Die müssen so groß sein, dass die Molkereien nicht daran vorbeikommen", sagte er. Seine Vision sei eine sachsen-anhaltische Erzeugergemeinschaft, die mit den Molkereien verhandelt. Außerdem müsse die Milchmenge runter, sonst sei keine dauerhafte und ausreichende Preissteigerung möglich. In Sachsen-Anhalt sei die Zahl der Milchviehhalter seit 2008 von 680 auf etwa 530 gesunken, allerdings seien die freigewordenen Milchmengen größtenteils von anderen Betrieben aufgenommen worden. Meenkens Betrieb hat rückwirkend für den April 26 Cent Grundpreis je Liter Rohmilch auf seiner Abrechnung gehabt, einen Cent mehr als im März. "Da muss dringend noch etwas kommen."

"Für den April bekommen wir einen Grundpreis von 27 Cent, das ist immer noch ein Minusgeschäft", sagte auch Thomas Seeger, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Börde Rottmersleben. 30 Cent wären derzeit das absolute Minimum. Dennoch freue er sich über die Signale für einen Aufwärtstrend. Positiv sieht Seeger auch die gebündelten Kräfte im Vertrieb von Nordmilch und Humana im Nord-Contor Milch. Das könne die Marktstellung stärken, hofft er.