Hamburg (dpa). Die Börsen gingen gestern weltweit auf Talfahrt. Der DAX brach um fast drei Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit Ende Februar. In Tokio gab der Nikkei-Index um mehr als drei Prozent nach. Die Furcht vor einem erneuten Aufflammen der Finanzkrise hat den Leitindex der New Yorker Börse Dow Jones gestern wieder unter die Marke von 10 000 Punkten gedrückt. Auch andere Börsen in Europa lagen massiv im Minus.

Händler nannten als Gründe für die schlechte Stimmung die sich zuspitzende Lage in Korea und die Sorgen um die spanischen Banken. Nach Angaben von Überläufern hat Nordkorea im Konflikt um die Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffes seine Streitkräfte in Kampfbereitschaft versetzt. In Spanien konnte die Sparkasse CajaSur nur mit Hilfe der Regierung vor dem Bankrott gerettet werden.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) forderte Spanien zu tiefgreifenden Wirtschaftsreformen auf. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt und im Bankensystem seien Reformen nötig, urteilte der IWF. Die konjunkturellen Aussichten in Spanien seien ungewiss. Bis auf weiteres werde die spanische Wirtschaft nur ein schwaches Wachstum erreichen.

Die Bundesregierung will das Verbot riskanter Börsenwetten in Deutschland ausweiten. Vor gut einer Woche hatte die Finanzaufsicht BaFin bereits hochspekulative Geschäfte mit Aktien von zehn deutschen Finanzkonzernen und Euro-Staatsanleihen untersagt. Nun sollen alle "ungedeckten Leerverkäufe" von Aktien und Euro-Anleihen an deutschen Börsen auf den Index kommen. Das geht aus einem Gesetzentwurf von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hervor, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Der deutsche Alleingang Mitte Mai hatte weltweit die Märkte verunsichert.

Schäuble will den milliardenschweren Markt der Leerverkäufe transparenter machen. So sollen alle Investoren, die mit Leerverkäufen handeln, die BaFin informieren müssen. "In einer zweiten Stufe sind größere Leerverkaufspositionen zudem zu veröffentlichen", heißt es in dem Entwurf.

Bei "Leerverkäufen" verkaufen Anleger wie Hedge-Fonds Aktien – in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und so Gewinne einzustreichen. Bei "gedeckten Leerverkäufen" leihen sich Investoren die zu verkaufenden Aktien. Bei "ungedeckten Leerverkäufen" spekulieren sie mit Aktien, ohne sie ausgeliehen zu haben. Solche Geschäfte hatten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Turbulenzen an den Märkten verschärft.