Dem deutschen Arbeitsmarkt geht allmählich die Puste aus. Schuld ist die schwächere Entwicklung der Konjunktur.

Nürnberg/Berlin (dapd) l Dem deutschen Arbeitsmarkt geht allmählich die Luft aus. Angesichts der Konjunkturabschwächung sank die Zahl der Arbeitslosen von September auf Oktober nur noch um 35000 auf 2,75 Millionen, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mit. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre hatte der Rückgang noch rund 90000 betragen.Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,5 Prozent. Sie lag in Ostdeutschland mit 9,8 Prozent erneut deutlich über dem Wert für Westdeutschland (5,6 Prozent).

"Die schwächere konjunkturelle Entwicklung macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar", sagte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise. Er sprach aber auch von einer Herbstbelebung und einem insgesamt weiter robusten Arbeitsmarkt. Allerdings stieg die Arbeitslosigkeit im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 16000 und damit auf Jahressicht zum ersten Mal seit Februar 2010. Saisonbereinigt erhöhte sie sich im Vergleich zum Vormonat ebenfalls, und zwar um 20000 und somit zum fünften Mal in Folge.

Eine Trendwende schloss der BA-Chef dennoch weiter aus. "Wir sehen keine Trendwende, wir sehen eine Seitwärtsbewegung", betonte er. Den geringeren Abbau der Arbeitslosigkeit erklärte Weise auch mit der Reduzierung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen. Vor allem die Förderung der Selbstständigkeit sei zurückgegangen. Einen erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über drei Millionen erwartet Weise erst wieder für Januar 2013.

In Sachsen-Anhalt waren trotz zunehmend schlechter werdender Aussichten auf dem Arbeitsmarkt im Oktober weniger Menschen ohne Arbeit als im September. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Halle mitteilte, sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 3000 auf 124800. Das entsprach einem Rückgang von 2,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote ging von 10,8 auf 10,5 Prozent zurück. Zugleich handelte es sich um die geringste Arbeitslosenquote im Land in einem Oktober seit 1991. Die für den Herbst übliche Entwicklung fällt jedoch deutlich schwächer aus. Der Arbeitsmarkt sei weniger aufnahmefähig, sagte der Chef der Regionaldirektion, Kay Senius.