Wenn alles gut geht, gibt es heute die Plakette der Technik-Experten für die "alte Dame am Kanal". Und dann kann gefeiert werden: Am 24. August ab 11 Uhr soll das Schiffshebewerk offiziell wieder in Betrieb gehen.

Burg/Magdeburg l Manch einer hatte gehofft, dass das Schiffshebewerk in Magdeburg-Rothensee schon zum Start der Weiße-Flotte-Saison im späten Frühjahr in Betrieb geht. Da hatten Experten aber schon frühzeitig zur Zurückhaltung gemahnt - immerhin konnte die Anlage aus den 1930er Jahren erst nach und nach überprüft werden. Mit jedem Bauteil, was neu bewegt werden konnte, war der Weg frei zum nächsten - und zur nächsten Überraschung, ob sich damit neue Probleme und neue Reparaturaufgaben ergeben. Immerhin handelt es sich um eine mit 75 Jahren "alte Dame". Und zwar um eine, die - um im Bilde zu bleiben - seit 2006 dahinsiechte und erst in den vergangenen Monaten dank des Einsatzes der hauptamtlichen Mitarbeiter um Betriebsleiter Marcel Bremer wieder Genesung erfuhr.

Marcel Bremer sagt mit Blick auf die Absage der Feierlichkeiten zur Wiederinbetriebnahme im Frühjahr oder im Frühsommer: "Und dann kam da noch die Flut." Noch bevor die ungekannten Höchststände für die Pegel an der Elbe absehbar waren, hatten er und seine Mitarbeiter bange Blicke auf den Wasserstand geworfen: Würde das Wasser so weit steigen, dass die historische und teils gerade erst für teures Geld restaurierte Technik beschädigt würde? Würde der Wasserdruck gar so groß sein, dass Tore beschädigt würden? Inzwischen ist klar: Die Schäden hielten sich in Grenzen. Recht bald nach dem Abfließen der Flut war bereits zu erfahren, dass der Eröffnungstermin für die Schleuse im August stattfinden kann.

Der für touristische Fragen zuständige Wirtschaftsbeigeordnete Rainer Nitsche im Gespräch mit der Volksstimme sagte nun: "Am 24. August um 11 Uhr ist es so weit." Es wird einen großen Schiffsbahnhof geben - mit Oberbürgermeister und Minister für den offiziellen Teil und mit Fahrten im Schiffsfahrstuhl. Und mit dem Start einer neuerlichen Spendenaktion durch den Verein, der sich seit Jahren für Erhalt und Wiederinbetriebnahme der Anlage stark macht. Immerhin müssen weiterhin die Kosten für Pflege und Betrieb geschultert werden.

"Von diesem Touristenanziehungspunkt wird auch unsere Region profitieren."

Kreissprecher Henry Liebe

An den Kosten beteiligt sich auch der Landkreis Jerichower Land. Für zwei Jahre fließen jeweils 10000 Euro nach Magdeburg zur finanziellen Unterstützung des Schiffshebewerks. Das hatte der Kreistag im November vergangenen Jahres beschlossen. "Es war schon seit Jahren ein politisches Ziel, dass wir diese Einrichtung unterstützen, und das hat der Kreistag mit einem entsprechenden Beschluss auch so kommuniziert", sagt Kreissprecher Henry Liebe. "Wir als Kreis sehen die Eröffnung als positiv, denn als Touristenanziehungspunkt wird auch unsere Region davon profitieren", macht der Kreissprecher deutlich. Eine weitere Unterstützung über die vom Kreistag beschlossene Finanzierung über zwei Jahre hält sich Liebe noch offen. "Wir müssen jetzt erstmal schauen, wie sich alles entwickelt. Danach wird der Kreistag sicher eine Entscheidung treffen", so der Kreissprecher.

Betriebsleiter Bremer blickt derweil noch einmal zurück auf einige Arbeiten während der vergangenen Monate. Er sagt: "An vielen Stellen waren dringend Instandsetzungsarbeiten notwendig." Der Grund war keineswegs ein mangelhafter Umgang der ehemaligen Mitarbeiter mit der Technik. Marcel Bremer sagt: "Nein, wohl nicht zuletzt wegen des langen Stillstands haben sich Schäden eingestellt."

"Die Wände sind in einem sehr guten Zustand. Der Schutzanstrich zahlt sich aus.

Rainer Deye, Mitarbeiter bei TÜV Nord

Beispiel Schmierung. Mit dem langen Brachliegen der Anlage waren die beweglichen Bauteile eingetrocknet, die Fettpressen haben nicht mehr funktioniert. "Es hatten sich Paraffine gebildet und die Zuleitungen verstopft", berichtet Marcel Bremer. Hier war eine Instandsetzung ebenso angesagt wie für die Pumpen der Ölschmierung. "Abgehakt ist auf unserer Liste auch der zweite Umformer", sagt Marcel Bremer. Bei diesem Gerät handelt es sich um jenes Ersatzaggregat, das im Fall der Fälle für den Hauptantrieb auf der Ostseite der Anlage einspringt. Dieser war bereits vor Monaten ausgebaut und in einer Rothenseer Spezialfirma instandgesetzt worden. Weitere wichtige Arbeiten vor der Inbetriebnahme waren die Überprüfung der Tore und der Führungsrollen.

Zuletzt vor der Flut war Marcel Bremer noch gemeinsam mit Rainer Deye in die tiefsten Tiefen des Schiffshebewerks hinabgestiegen - in die Schwimmer. Rainer Deye ist Mitarbeiter vom TÜV Nord, zuständig für Druckluftanlagen. Und damit ist er zuständig für die Schwimmer, die eine Höhe von 30 Metern haben und im Betrieb bis zu 60 Meter tief ins Grundwasser hineinreichen können. Sie tragen den Trog, in dem die Schiffe zwischen Elbeverbindungskanal und Mittellandkanal auf- und abgefahren werden. Mit einem Sensor überprüfte Rainer Deye den Zustand der Wände und befand: "Die sind in einem sehr guten Zustand. Vor einigen Jahren hatten sie noch einen Schutzanstrich erhalten - das zahlt sich aus."

 

Bilder