Zwischen Heyrotshberge und Gübs patrouillieren seit gestern auf dem Deich des Elbeumflutgeländes Deichläufer. Seit dem Morgen gilt die Alarmstufe 3.

Heyrotshberge/Gübs/Biederitz/Gerwisch. Die Hochwasserlage an der Elbeumflut verschärft sich. Seit gestern früh 5 Uhr gilt die Alarmstufe 3. Das bedeutet, dass Deichläufer ihre Kontrollgänge aufgenommen haben.

Gemeindewasserwehrleiter René Germer hat gestern den Einsatzplan für den Heyrothsberger Abschnitt aufgestellt. Er ist zugleich auch Leiter des Abschnittes Heyrothsberge.

Im Gübser Bereich steht der Abschnittsleiter Siegfried Günther in der Verantwortung. Auch er hat einen Einsatzplan erstellt.

Derzeit sind im Heyrothsberger und im Gübser Abschnitt jeweils zwei Deichläufer permanent unterwegs. Sie kontrollieren den Deich nach optischen Schäden. Das ist die Hauptaufgabe von Wasserwehren. So soll schnell festgestellt werden, wo sich welche Veränderungen an dem Hochwasserschutzbauwerk einstellen.

Sowohl in Gübs als auch in Heyrothsberge ist ein Wechsel im Sechs-Stunden-Rhythmus vorgesehen. Morgens um sechs, mittags um 12, abends um 18 und nachts um 24 Uhr erfolgen die Wechsel vor Ort. Die Deichwachen rücken von zu Hause aus an, erklärt Wasserwehrleiter René Germer. Ein zentraler Einsatzraum ist erst einmal nicht eingerichtet worden.

Gestern Mittag machen sich am Heyrothsberger Siel Mandy Haberland und Heino Riethmüller auf den Wachweg. Roy Schütz vom Technischen Hilfswerk (THW) Burg stattet sie mit den notwendigen Erkennungswesten aus. Außerdem gibt er ihnen ein starkes Fernglas in die Hand. In einem Heft ist zu protokollieren, welche Ereignisse es auf dem Kontrollgang gegeben hat.

Als sich die beiden Deichläufer auf den Weg Richtung Gübs machen, scheint ihnen die Sonne ins Gesicht. Das sind gute Bedingungen für die Deichwachen. In der Nacht wird es etwas unangenehmer werden, ahnt Heino Riethmüller, der sich aber trotzdem für weitere Dienste auf dem Deich bereithalten wird.

Derzeit werden pro Tag acht Personen für die Kontrolle des Deiches zwischen Heyrothsberge und Gübs benötigt. Sollte es die Lage erfordern, ist an eine Verkürzung der Laufzeiten gedacht. Dann allerdings werden auch mehr Personen gebraucht.

Am Wochenende hatte die Wasserwehrleitung über den Rundfunk Biederitzer und Heyrothsberger Bürger darum gebeten, sich für den Dienst als Deichläufer freiwillig zu melden. Der Erfolgt sei nicht so berauschend gewesen, schätzt René Germer ein. Gestern versuchte er, die benötigten Personen direkt anzusprechen, um sie für den Dienst zum Schutz der Gemeinschaft zu gewinnen.

Per Gesetz ist fast jeder Bürger verpflichtet, die Kontrollaufgaben der Wasserwehren mit zu erfüllen.

THW übernimmt Pumparbeit

Mit der Alarmstufe 3 ist das Betreten von Deichanlagen strikt untersagt. Die Deichwachen, die von diesem Verbot natürlich ausgeschlossen sind, werden kontrollieren, ob dieses Verbot durch die Bürger eingehalten wird. Schon am Wochenende hatten sich am Heyrothsberger Siel, als dort mit den Pumparbeiten begonnen worden war, zahlreiche Hochwassertouristen eingefunden und teilweise die Arbeit der Hochwasserschützer behindert.

Derweil haben die Mitglieder des Technischen Hilfswerkes Burg die Überwachung und die Betreuung der Pumpen am Siel bei Heyrothsberge übernommen. Die Kameraden der freiwilligen Ortfeuerwehren, die mit dem Pumpdienst begonnen hatten, sind abgezogen worden. Die Spezialpumpen des THW werden nun durch die eigenen Männer betreut. Die Spritversorgung des mobilen Pumpwerkes der Magdeburger Stadtwerke übernimmt das THW mit. Rund 1000 Kubikmeter Wasser werden pro Stunde von der alten Ehle in das Umflutgelände der Elbe gepumpt, um Gübs vor rückstauenden Wassermassen weiter zu entlasten.

Derweil leistet der Ende letzter Woche stabilisierte Notdeich am Biederitzer Wohngebiet Radrennbahn seine erwarteten Dienste. Die Lostauer Straße ist weiterhin hinter der Radrennbahn bis zum Birkenweg gesperrt. An der Ertüchtigung dieses Notdeiches, der zum Jahrhundert- hochwasser 2002 mehr oder weniger provisorisch aufgeschüttet worden war, hatte neben vielen Helfern auch Ortsbürgermeister Carsten Schneider mitgewirkt. Er schob dann an der Schweinebrücke auch eine der ersten Deichwachen.

Die Internetseite der Gemeinde Biederitz hält für die Bürger zahlreiche aktuelle Informationen bereit. Ein Nachrichtenticker ist installiert worden. Hier sind neben Wettervorausschauen auch die Pegelstände in Barby zu erfahren.

In Gerwisch bereitet vor allem das Binnenhochwasser Sorgen. Aus fast allen Richtungen und von weit her fließt das Grundwasser in die Gerwischer Feldflur, die wie auf einem Schüsselboden liegt. Die Böden sind seit Monaten derart durchtränkt, dass sie kein Wasser mehr aufnehmen können. Auch die Gräben haben ihre Ufer meist weit verlassen. Am Sternsiel hinter dem Klärwerk wird zusätzlich Wasser gepumpt, um das Hinterland zu entlasten. Auf dem Bolzplatz in der Lostauer Straße lagern 30 Tonnen Sand. Es seien auch Sandsäcke vorhanden, so Ortswehrleiter Wolfgang Beckmann. Auf dem rund 800 Meter langen Deich an der Potztrine erfolgen ebenfalls rund um die Uhr Kontrollgänge. Das Wasser hat hier aber erst den Deichfuß erreicht.