Burg/Ziegelsdorf/Schermen/Biederitz/Dretzel l Der Telegrafenradweg soll alle Telegrafenstationen, die zwischen 1833 und 1849 zur Königlich Preußischen Optischen Telegrafenlinie Berlin - Koblenz gehörten, verbinden. Dazu gehören auch die Stationen Nr. 10 in Dretzel, Nr. 11 in Ziegelsdorf, Nr. 12 in Schermen und Nr. 13 in Biederitz. "Damit soll die optische Telegrafenlinie als ein Denkmal der Geschichte der Nachrichtentechnik wieder in das Bewusstsein der Menschen rücken", so Klaus Schmeißer von der Interessengruppe (IG) "Optische Telegraphie in Preußen" des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) aus Magdeburg.

Der Telegrafenradweg hat mit den an den Stationen noch vorhandenen und dort regelmäßig erlebbaren Sachzeugen ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland. Er wurde als "Radroute der Klasse 3" in den Landesradverkehrsplan des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen. Wegen seiner Bedeutung über die Landesgrenze hinaus wird ihm dort jedoch wegen seines Potentials eine "Radroute der Klasse 2" bescheinigt. Die Arbeiten zur Umsetzung sind in Sachsen-Anhalt am weitesten gediehen.

Das Bauamt der Stadt Burg hatte im Auftrag der Gemeinden, durch die der Telegrafenradweg verläuft, die Aufgabe übernommen, das Projekt zu planen, durchzuführen und abzurechnen. "Ich bin der Stadt Burg dafür sehr dankbar", erklärt Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly. Grundlage war die Streckenermittlung und die Beschilderungsausstattung mit umfangreichem Fotomaterial des ADFC. Weitere wichtige Vor- und Zuarbeiten haben Klaus Schmeißer, Torsten Wambach aus Grabow, Wolfgang Wytrywat aus Rietzel und Dr. Reinhard Ritter aus Schermen geleistet.

Inzwischen hat Burg einen Fördermittelantrag an das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) gestellt. Mit den betroffenen Gemeinden wurden Finanzierungsvereinbarungen abgeschlossen. Zustimmung zu diesem Projekt kam vom Baulastträger der Kreis- und Landesstraßen sowie der Straßenmeisterei Körbelitz. Einer Bewilligung, so Peter May vom Burger Bauamt, steht nach derzeitiger Aktenlage im Januar 2014 nichts entgegen. Die Stadt Burg wird dann die Ausschreibung und Übergabe an die Gemeinden und die Bauabnahme der Baulastträger übernehmen. "Im Februar 2014 wird die Ausschreibung erfolgen. Die Bauzeit ist dann für März/April geplant. Wenn alles gut läuft, könnte Ende des zweiten Quartals die Einweihung erfolgen", blickt Peter May voraus.

"Der Telegrafenradweg ist im Regionalen Entwicklungsplan als regional bedeutsamer Radweg ausgewiesen und Bestandteil des zertifizierten Leader-Leitsystems Sachsen-Anhalts", sagt Frank von Holly. Und: Der Radweg ist mit seiner Verbindung zu den ehemaligen Telegrafenstationen nicht nur für Telegrafenfreunde interessant. Beispielgebend für Sachsen-Anhalt ist die Arbeit mit Fördermitteln. Mit einer nachhaltigen Beschilderung sollen Radtouristen angelockt werden.

Probleme gibt es derzeit noch mit der Befestigung der Radweg-Schilder an Verkehrsschildern. Was in anderen Bundesländern längst Alltag ist, wartet in Sachsen-Anhalt noch auf eine Klärung. Frank von Holly: "Es gibt in Sachsen-Anhalt noch keinen ausreichenden Willen zur Anlegung von Radwegen." Hilfe soll Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) leisten.

"Sachsen-Anhalt ist bei diesem Radweg führend. Wir sind stolz darauf. Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit den zweihäufigsten Stationen (11). Wir befinden uns derzeit in einer Pilotphase, die später auf andere Bundesländer kopiert werden könne", erklärt Torsten Wambach. Er lobte das außerordentliche ehrenamtliche Engagement vieler Befürworter des Projektes und hofft, dass "das ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Radwegeförderung ist".

Klaus Schmeißer informierte, dass nach derzeitigem Stand am 27. Juli 2014 gemeinsam mit dem ADFC eine Radtour entlang des Radweges zum Telegrafenberg nach Potsdam geplant ist.