Lostau l Es war der erste Sonntag des Jahres, und wie an jedem ersten Sonntag hatte die Lostauer Heimatstube geöffnet. Mitglieder des Heimatvereins, darunter auch dessen Vorsitzende Kerstin Vogt, hatten sich eingefunden, und bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen sprachen sie über das vergangene Jahr und darüber, was sie im neuen Jahr vorhaben.

Wer aufmerksamer Zuhörer war, erfuhr unter anderem, dass die Heimatstube seit dem 16. Juni 2012 existiert und sie letztlich auch der Bildung der Einheitsgemeinde zu verdanken ist, weil die Verwaltung, die bis dahin die Räume genutzt hatte, nun nach Möser umzog und der Bürgermeister zustimmte, seine Sprechstunden in der Heimatstube abzuhalten. Hinzu kam, dass der Heimatverein Partner in Großbörnecke fand, die bei der Einrichtung der Heimatstube unterstützten. Aber all das wäre nicht gegangen, hätten die Lostauer nicht mit ihren Spenden dazu beigetragen. So findet sich heute ein breites Sammelsurium von Haushalts- und Einrichtungsgegenständen in den drei liebevoll gestalteten Räumen: Vom Butterfass über Geschirr, Möbel, Rundfunkempfänger, einem uralten Telefon bis hin zu den Überresten der Fahne des Lostauer Männergesangvereins, die behutsam eingewickelt in einer Ecke darauf wartet, dass sich ein Spender findet, der ermöglicht, eine Kopie des historischen Stückes herzustellen. "Eine Restaurierung wäre wohl zu kostspielig", vermutet Heike Grodde", die sich um die Öffentlichkeitsarbeit im Verein kümmert.

Aber Hingucker sind Puppenwagen, Schaukelpferd, Waschbrett, das Regal mit den porzellanenen Vorratsbehältern in der Küche ... Die Kleinen vom Kindergarten waren schon einmal da und haben sich die wundersamen Dinge angesehen. Sie staunten nicht schlecht, als sie gezeigt bekamen, dass das Leben einmal anders war - ganz ohne Fernseher, Computer, Waschmaschine oder Kühlschrank, dass das Wasser nicht wie heute selbstverständlich aus dem Hahn an der Wand kam, sondern von der Pumpe im Hof geholt werden musste ...

Dass dies alles nicht vergessen wird, dafür ist so eine Heimatstube gut. Sie kann natürlich nicht alles leisten, was ein Museum kann, aber das Interesse für das Leben im eigenen Ort kann sie wecken und erhalten helfen, wenn dies jungen Menschen nahegebracht wird. Es wäre bestimmt keine schlechte Idee, würden sich Schulklassen aus der Grundschule dort einmal sehen lassen, um auf den Spuren ihrer Vorfahren zu stöbern. Und es ist schließlich auch interessant zu wissen, dass es in Lostau einmal eine Schule gab und was aus dem Gebäude geworden ist.

Dort in der Heimatstube saßen die "ganz alten Leute", wie Christa Karsten scherzhaft bemerkte. Sie setzen sich dafür ein, dass die Erinnerung an das Leben vor langer Zeit erhalten bleibt. Das wird jedoch nur fruchten, wenn junge Leute Leben in die Bude bringen, herumstöbern und die Alten ausfragen. Diese sind bereit dazu, und zwar nicht nur an jedem ersten Sonntag, sondern im Bedarfsfalle nach Vereinbarung. Um einen Termin zu besprechen, ruft man entweder die Vereinsvorsitzende, Kerstin Vogt unter Telefon (039222/32 75) oder Edeltraud Schulze unter (039222/31 25) an.

Und was wird es neues geben in diesem Jahr? Thematische Ausstellungen geben, die halbjährlich wechseln. Die jetzige steht unter dem Titel "Die gute Stube".

Na dann mal herein ...!