Im Februar 2012 stellte der Loburger Helmut Richert einen Kalender mit zwölf früheren Gaststätten der Stadt zusammen. Nun legt er nach und präsentiert eine umfassende Sammlung zur Geschichte der Gastronomie Loburgs. Das Werk soll Bestandteil der städtischen Chronik werden.

Loburg l Es ist eine Kneipentour, die - völlig nüchtern betrachtet - getrost von zu Hause aus begonnen werden kann. Denn leider existiert kaum noch eine der Gaststätten, die Helmut Richert in seiner Arbeit "Loburg - Kneipengeschichte(n)" noch einmal aufleben lässt. In 18 Kapiteln - auf 176 Seiten - erinnert der ehemalige Bürgermeister Loburgs an jene Orte, an denen bereits in alten Zeiten die Menschen einkehrten, tranken und speisten, tanzten und diskutierten - kurz: an denen das Loburger Leben spürbar war.

Die Betrachtungen Richerts konzentrieren sich auf die alten Kneipen-Objekte, ergänzt um "Kneipeninfrastruktur", wie etwa Brauereien. Dazu kommen "kleine familiengeschichtliche Exkurse zu den Wirtsleuten", wie es der Autor selber im Vorwort schreibt. Dabei war es sein Ansinnen, die jeweilige Entwicklung bis in die Gegenwart zu erfassen. Wo es die Quellen hergeben, gibt es eine Betrachtung der baugeschichtlichen Entwicklung des jeweiligen Grundstu¨cks.

Erinnert wird an die "Ratsschänke", das "Hotel Prinz von Preußen", den "Gasthof zum schwarzen Adler", den "Gasthof zur goldenen Krone", die "Restauration zur Reichspost", den "Gasthof zum goldenen Löwen", den "Gasthof Magdeburger Hof", das "Schu¨tzenhaus", den "Gasthof zum deutschen Hause", den "Gasthof Krug zum gru¨nen Kranze", die Bahnhofsgaststätte, den "Gasthof zur Erholung", die alte Badeanstalt oder das "Forsthaus Mu¨nchenheide". Ein Kapitel befasst sich mit der Immobilie "Dammstraße 80", die heute als Getränkehandel Kirchhoff bekannt ist. Erinnert wird an die Familien Pohl, Helbig, Schäfer, den Getränkehandel Port und die Gaststätte, die es heute auch noch gibt: "Keene Ahnung". Weitere Kapitel erinnern an das Loburger Brennereiwesen oder die Brauerei-Niederlage.

Gespräche mit Zeitzeugen

Für seine Arbeit stöberte Helmut Richert in den Kreis-Archiven von Dessau, Köthen und Burg, sowie in den Kirchenbüchern von Loburg. Auch konnte er auf Dokumenten namhafter Loburger Geschichtsschreiber aufbauen. Richert nennt hier etwa den Oberpfarrer Ernst Wernicke (1877-1906 in Loburg), Dr. Otto Ku¨bitz (1856 - 1941) oder den aktuell tätigen Ortschronisten Wolfgang Schulz. Besondere Hilfe kam von älteren Loburgern und Nachkommen ehemaliger Gaststättenbesitzer. Die vielen persönlichen Kontakte und die ungezählten ganz überwiegend herzlichen Gespräche mit älteren Loburg-Kennern sind dem geschichtsinteressierten Helmut Richert besonders wertvoll geworden.

Geschichte erhalten

Warum aber setzt sich jemand über solch eine aufwändige Recherche? Die Antwort gibt Richert im Vorwort seiner Arbeit: Als in Loburg-Bomsdorf Geborener, mit Umsiedler-Wurzeln in Folge des Zweiten Weltkriegs, seien ihm Heimatgefu¨hle in der Erziehung nahegebracht und bedeutsam geworden. "Die gewiss erstmalige intensivere Betrachtung dieses Kapitels unserer Stadt verfolgt vorrangig zwei Ziele. Zum einen soll ein Einblick in die Bedeutung und Entwicklung des Wirtschaftslebens in Loburg gegeben werden; mit besonderem Augenmerk auf das selten ausschließlich vergnu¨gliche Leben der ansässigen Wirtsleute - und dies nicht nur in bierernster Weise. Zum anderen galt es, per Recherche das verfu¨gbare Kneipenmaterial zu erfassen und zu präsentieren, um so dem Verlust stadtgeschichtlicher Werte entgegenzuwirken."

Dabei sollte das Thema keinesfalls "trocken" aufgearbeitet werden sondern Spaß machen. "Da eigene ¿belastbare Branchenerfahrungen\' kaum vorhanden waren, galt es, in ¿Selbstversuchen\' die so genannte Kneipenszene etwas näher kennen zu lernen", schmunzelt Richert: "Ohne die hierbei gewonnenen Erfahrungen wäre das Vorhaben wohl kaum geglückt."

Die "Kneipen-Geschichte(n)" von Helmut Richert sollen Bestandteil der Loburger Chronik werden. Er sieht sich nicht als Konkurrenz zum Ortschronisten: "Ich bearbeite ausgewählte Themen intensiver, als es ein Ortschronist könnte. Und weitere Themen hat sich Helmut Richert auch schon ausgeguckt: Das Gewerbe und das Handwerk in Loburg zu früheren Zeiten will er sich wohl als nächstes vornehmen.