Acht Kandidaten wurden in diesem Jahr für die Volksstimme-Aktion "Du bist spitze!" aufgestellt. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können Ihren persönlichen Lokalmatador 2013 wählen. Nacheinander zeigen wir die Nominierten im Porträt. Heute setzen wir die Serie mit Wolfgang Auerbach fort.

Burg/Möckern l Wolfgang Auerbach ist eigentlich keiner, der gerne im Rampenlicht steht. "Für den guten Zweck" macht er bei der Volksstimme-Serie aber doch mit. Der "gute Zweck" sei der Effekt, sein Anliegen noch weiter bekannt zu machen: den langen Kampf gegen die Sucht. Auerbach führt ihn seit Mitte der 70er Jahre. Erst kämpfte er gegen die eigene Sucht, dann gegen die anderer. Daraus wurde das, was heute weit über das Jerichower Land hinaus als "Suchtkurve" bekannt ist.

Aus anfangs sieben Mitgliedern der Selbsthilfegruppe "Suchtkurve" im Gründungsjahr 1993 ist heute ein Netzwerk von gut 300 ehemaligen Suchtkranken und Angehörigen geworden. Inzwischen gibt es das Ambulant Betreute Wohnen in Burg und Möckern, die tagesstrukturierenden Einrichtungen "Möbellobby" und den Laden für gebrauchte Bekleidung. Und als ob das noch nicht genug ist, organisiert man seit einigen Jahren auch die "Tafeln" in Möckern und Gommern.

In Burg und Möckern bietet die Suchtkurve Betreuung, Beratung und manchmal einfach nur ein offenes Ohr. Seit den Anfangsjahren bis heute wurden geschätzte 900 Personen betreut. "Ich habe das nie gezählt", sagt Wolfgang Auerbach. Ungezählt sind auch die vielen Telefonate mit Trinkern, Angehörigen, Arbeitskollegen, eben von all denen, die erkannt haben, dass man Sucht nicht ganz alleine bekämpfen kann. Die einen blieben nur kurzzeitig, andere sind bis heute im Umfeld der "Suchtkurve" geblieben - aus Sicherheitsgründen.

Die Erfolgsquote derer, die seit 1996 im Betreuten Wohnen langfristig "trocken" geblieben sind, beziffert Auerbach auf etwa 80 Prozent. "Wichtig ist die Gemeinschaft", sagt er. Er weiß es aus eigener Erfahrung. Seine eigene Alkoholsucht besiegte er in der Berliner Selbsthilfegruppe "Synanon". Hier wurde ihm nach jahrelanger Alkoholkrankheit geholfen. Als Auerbach "Synanon" 1991 "trocken" verließ, hatte er einen Vorsatz gefasst: Ab ins Jerichower Land. Er hätte auch bei "Synanon" bleiben können, aber Auerbach war sicher: "Draußen kann ich viel mehr helfen." Es begann mit ehrenamtlicher Suchberatung, später als ABM-Kraft. Es folgte die Kinder- und Jugendarbeit im Bereich Prävention im gesamten Landkreis. Im Rahmen der "aufsuchenden Beratung" ging Wolfgang Auerbach dahin, wo Suchtkranke sich aufhielten.

1996 übernahm er die Leitung des "Spitals" Möckern. Das Projekt lag in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes, die inhaltliche Arbeit übernahm die "Suchtkurve". Aus einem heruntergekommenen Bau mit hilflosen Alten und Suchtkranken ohne vernünftige sanitäre Einrichtungen schufen Auerbach und seine Mitstreiter ein würdiges Domizil für Menschen, die ihr Schicksal wieder ohne Sucht meistern wollen.

Geboten werden streng organisierte Tagesstrukturen und Beschäftigungsangebote. "Wer arbeitet, kann nicht saufen", so die Regel. Die "Klienten", wie die Nutzer der Einrichtung genannt werden, haben an der Sanierung des "Spitals" und den neuen Wohnräumen auf dem alten Oetker-Gelände selbst mitgebaut. Für neun Menschen entstand bei der "Suchtkurve" ein Arbeitsplatz. Einige Ideen von "Synanon" hat Auerbach mit ins Jerichower Land gebracht. Das Konzept der "Suchtkurve" wiederum wurde zum Vorbild für andere Suchtkrankenhilfestellen.

Auerbach qualifizierte sich zum Sozialsuchttherapeuten, lernte, gesetzliche Vorgaben zu verstehen, Gelder und andere Hilfen zu organisieren. "Aber ohne die Anderen wäre das alles nicht gegangen. Auch wenn einige Ideen von mir stammen, so haben doch die Anderen das erst realisiert", betont der 58-Jährige.

Zu den Anderen zählt besonders Ute Külz. Die Leiterin der Burger Tagesstätte ist beruflich wie privat zur Partnerin von Wolfgang Auerbach geworden. Mit ihr und Hund "Lord" lebt er in Detershagen.