Die fleißigen Bienchen von Imker Burghardt Kuntze sind für die Jahreszeit zu fleißig. Honigfreunde wünschen sich kühlere Temperaturen. Wenn die Bienen keine Flug- und Brutpause einlegen, erhöht das auch die Gefahr für Krankheiten.

Burg l Langsam öffnet Burghardt Kuntze das Holztürchen, hinter dem eines seiner 20 Bienenvölker lebt. Die Glasscheibe vor dem Kasten ist beschlagen. "Aha, da ist Brut drin", sagt der 58 Jahre alte Imker. Eigentlich sollten die Bienen seit Mitte Dezember brutfrei sein. Doch einige von Kuntzes Königinnen legen immer noch Eier. Das passiert sonst erst wieder im März. Der Hofstaat ist derweil damit beschäftigt, die junge Nachfolgerschaft zu wärmen.

Kuntze schließt den Brutkasten wieder und macht sich einen Vermerk am Rahmen des Kastens, dass hier gebrütet wird. Auf der anderen Seite des Bienenhauses lassen sich die fleißigen Bienchen beobachten, wie sie aus ihrem Holzhäuschen ins Freie fliegen.

Unter Imkerfreunden wird dieses Verhalten der kleinen Honigsammler jetzt im Januar nicht gern gesehen.

Kuntze, der nicht nur Imker, sondern auch geprüfter Bienensachverständiger ist, telefoniert nach Feierabend mal gern mit anderen Imkern. "Mensch, fliegen deine Bienen auch?", fragt ein Imkerkollege. Ab zehn Grad Außentemperatur machen sich die Gelbschwarzen auf den Weg an die frische Luft, um ihr Geschäft zu erledigen und ein wenig Wasser zu sammeln.

"Die Bienen sollten jetzt eigentlich nicht mehr fliegen."

Richtig zur Ruhe gekommen sind seine Bienen in diesem "Winter" noch nicht. Dabei sollen sie doch haushalten mit ihren Kräften.

"Die Brut wärmen und ausfliegen, das kostet wertvolle Energie, die sie für eventuell kommenden Frost sparen müssen, um nicht zu erfrieren oder zu verhungern", erklärt der Imker.

Er hat vor fast vier Jahren das Hobby seines Vaters Helmut Kuntze übernommen. In seinem Garten in der Laubenkolonie an der Burger Leo-Tolstoi-Straße steht das große Bienenhaus. Hier finden die Bienen im Frühjahr und Sommer Nektar in den umliegenden Gärten und auf den Feldern.

Einen großen Bogen um das Bienenhaus macht allerdings Kuntzes Frau. "Vor Bienen hat sie Angst", erzählt der 58-Jährige, der schon als kleiner Junge dem Vater bei seinem zeitaufwendigen Hobby geholfen hat.

Zur Entschädigung für die Zeit, die er mit seinen Bienen verbringt, gibt es dann den selbstgeschleuderten Honig der summenden Insektenvölker zum Frühstück.

Aus den einst elf Völkern seines Vaters sind nun 20 geworden. Die milden Temperaturen lassen den Imker bangen, wie viele Völker den Winter überstehen. Sorgen, die der Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf, Prof. Kaspar Bienenfeld, nachvollziehen kann. "Wenn die Bienen brüten, kann sich die Varroa-Milbe ausbreiten", weiß der Bienenexperte.

Die Milbe kann sich nur in Waben vermehren, die die Bienen verschlossen haben, weil sich Brut darin befindet. Die Milben vermehren sich auf der Brut. Falls die Jungbienen den Befall überhaupt überstehen, schlüpfen sie geschwächt und sterben schon kurze Zeit nach dem Schlüpfen. Tun kann Imker Kuntze nichts gegen die Ausbreitung der Milbe.

So lange seine Honigbienen Brut haben und Honig produzieren, darf er nichts machen, die Bienenwaben seiner fliegenden Gefolgschaften nicht mit Ameisensäure behandeln. Rückstände der Chemikalien könnten sonst in den Honig gelangen.

"Daher behandele ich die Bienen erst, nachdem der letzte Honig ausgeschleudert ist." An den Holztürchen der Bienenkästen hat er es genau vermerkt: Im August, September und Dezember gab es eine Abreibung mit entsprechenden Mitteln.

Ob die Behandlung Erfolg hatte, wird sich erst nach dem Winter zeigen. Sofern dann die Bienen tatsächlich mal zur Ruhe gekommen sind.

"Milde Temperaturen, Anstrengung durch das Wärmen der Brut, der Milbenbefall. Falls noch ein später, langer und starker Frost kommt, ist das der Tod vieler Honigbienenvölker", fasst es Bienenfeld zusammen und spricht damit nicht nur Kuntze, sondern allen Imkern aus der Seele.

Aber die Temperaturen in den nächsten Wochen erahnt noch nicht mal der Wetterfrosch.

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