Loburg l Die Loburger Brennerei GmbH ereilt das Schicksal, das im Jahr 2013 alle deutschen monopolrechtlichen landwirtschaftlichen Brennereien ereilte. Die Europäische Union hatte das Aus einer staatlichen Subventionierung gefordert. Als Konsequenz machen die meisten Rohalkoholbrennereien in Deutschland dicht. Auch für die Loburger Brennerei bedeutet dies die Abschaltung der Brennerei - nicht aber die der angeschlossenen Biogas-Anlage, betont Erich Kullmann: "Die Biogasanlage wird nun zum Unternehmensschwerpunkt des Betriebes."

Der 65-Jährige selbst nimmt zu Monatsende seinen Hut und wechselt in den Familienbetrieb "Obstbrennerei Kullmann Sohn GbR" mit Sitz in Wiesenburg-Reppinchen. Und dort wird weiterhin Alkohol hergestellt, der in Loburg zu jenen Spirituosen veredelt wird, wie ihn die Loburger kennen. Zunächst für ein Jahr hat Kullmann Lager und Verkaufsräume der Loburger Brennerei gepachtet. Sollte sich der Vertrieb der neuen "Loburg Brennerei Spirituosen GbR" als wirtschaftlich erweisen und der Verpächter mitmachen, könnte verlängert werden. Es soll weiterhin den Hofverkauf geben. Bekannte Marken sollen bleiben und Neues hinzu kommen. Seit Jahresbeginn wird in Loburg der einzige Gin aus Sachsen-Anhalt hergestellt.

Doch auch ein Wermutstropfen wurde produziert. Zwei Mitarbeiterinnen musste gekündigt werden.

Hauptgeschäft: Biogasanlage

Die Veränderungen bei der Loburger Brennerei stehen nicht im Zusammenhang mit dem Eigentümerwechsel der LIRS im vergangenen Jahr. "Wir hatten eigentlich vor, auch nach dem Wegfall des Monopols in Loburg weiterzubrennen", erklärt Erich Kullmann. "Doch nach dem drastischen Preiseinsturz zum Jahreswechsel auf dem freien Markt konnte es nicht mehr weitergehen." Dennoch wird die Brennerei vorerst nur stillgelegt, betont Kullmann. Sollte sich der Markt ändern, sei eine Wiederaufnahme des Betriebes zumindest nicht ausgeschlossen.

Ab Februar wird Henrik Hausmann Geschäftsführer des Unternehmens, das statt Rohalkohol dann auf Biogas setzt. Hausmann hatte im vergangenen Jahr die LIRS (und damit auch die Brennerei) erworben und hält neben der Hobecker Agrargenossenschaft 70 Prozent der Firmenanteile.

Errichtet wurde die Biogasanlage im Jahr 2004 auf dem Brennereigelände. Die Schlempe, die beim Brennen übrig blieb, konnte als Rohstoff in der Biogasanlage genutzt werden. Hier entsteht Gas, mit dem Strom erzeugt wird. Die ebenfalls anfallende Wärme wird seit 2010 in 119 Neubauwohnungen der Loburger Wobau geleitet. Ein Ziel des Unternehmens soll die Erweiterung sein. So könnten möglicherweise weitere Wohnblöcke mit der Wärme versorgt werden, stellt Erich Kullmann in Aussicht. Neu sei auch die Idee, in der Anlage erzeugten Strom als Wärme zu speichern.