Französischunterricht mit einem Muttersprachler - dank Jeremi Chesnin erleben die Schüler des Rolandgymnasiums die Sprache der Liebe aus dem Munde eines waschechten Franzosen.

Burg l Die Schülerinnen der siebten Klasse finden ihn cool. "Bonjour" rufen Sonia Pußel und ihre Schulkameradinnen ihrem Gastlehrer aus Paris zu, als der 23-Jährige vorbei geht. "Der erste Sprachassistent aus Frankreich in unserer Schule", weiß Französischlehrerin Simone Spörke.

Eigentlich wollte der schlanke Franzose nach Berlin, als er sich bei einem Austauschprogramm für pädagogische Fachkräfte bewarb.

Burg statt Paris

Im näheren Umkreis der Hauptstadt liegt die Kreisstadt des Jerichower Landes. Zumindest von Paris aus gesehen. "In Burg ist es"... er überlegt kurz, um das richtige Wort zu finden, "zu ruhig". Etwas mehr los sein könnte in der Stadt der Türme. Apropos Türme. Den Bismarckturm hat er sich angesehen. Zu beeindrucken ist Jeremi Chesnin damit allerdings nicht. Burg sei einfach ganz anders als seine Heimatstadt. Er vermisst die Möglichkeiten der großen Stadt an der Seine und ihre Architektur. Klein und beschaulich mutet Burg im Vergleich zu den pompösen Bauten der französischen Hauptstadt an.

Jeremi Chesnin studiert Deutsch und Englisch in Paris. Mit einem anderen Austauschprogramm ist er bereits ein Jahr in Deutschland gewesen. 2011/2012 war Dresden seine Heimat. Seit Oktober 2013 ist der Franzose aus Paris in der Kreisstadt, weil ihn Deutschland reizt. Ausgerechnet das Land der kühlen Köpfe? "Ja, mir gefällt die deutsche Mentalität", sagt er überzeugt. Er überlegt, um es auf den Punkt zu bringen, konzentriert sich kurz: "Höflicher sind die Deutschen." Dabei spricht er ein sehr weiches ¿h\'.

Die Gymnasiasten lauschen im Unterricht gespannt, wie der Muttersprachler die Sprache der Liebe vermittelt. Spannend dabei natürlich, wenn der Franzose Deutsch spricht. Sein Akzent ist leicht hörbar, doch sein Deutsch recht flüssig.

Für die Jugendlichen des Rolandgymnasiums Grund genug, ihn mit schwierigen Wörtern zu testen. "Eichhörnchen", lässt Julie Conrad den Pariser Studenten gern sagen. "Das kann er", freut sie sich. Über die kecke Art lächelt Chesnin einfach freundlich.

Mit den Schülern kommt er gut aus, sagt er. Die Jüngeren könnten sich noch mehr beteiligen, wünscht er sich. Doch das Lob folgt unmittelbar und ganz charmant: "Die deutschen Jugendlichen machen im Unterricht mehr mit", als ihre französischen Altersgenossen.

"Die Schüler sind begeistert", sagt Simone Spörke. Die Lehrerin beherbergte den jungen Mann während der ersten vier Wochen in Burg. Nun ist er in einer Pension untergekommen, hat die Zeit bei der Burger Kollegin in guter Erinnerung. "Ich konnte mehr Deutsch reden."

Schnitzel statt Weißbrot

Einen bleibenden Eindruck von guter Hausmannskost hat ihm Simone Spörke ebenfalls mitgegeben. Schnitzel durfte der Franzose sich schmecken lassen und "so Fleisch mit Senf und Gurken". Roulade? "Ja, das war lecker." Trotz guter deutscher Hausmannskost vermisst er die französischen Bäckereien. "Ich mag kein Vollkornbrot", gibt er zu und wünscht sich mal wieder ein fluffiges, französisches Weißbrot. Um doch eine deutsche Lieblingsbrotsorte zu finden, hat der Pariser Student noch bis Ende Mai Zeit. Dann endet seine Assistenzlehrerzeit am Rolandgymnasium.